Punktwertung: 10,0 Kommentar zum Album: „ALONG CAME A SPIDER“, die aktuelle Alice Cooper-Scheibe ist jetzt
das 25. Studioalbum vom Altmeister des US-Horrorrock. Gespickt mit theatralischen und glamourösen
Effekten bringt er es fertig, klassischen Hardrock frisch und klischeefrei klingen zu lassen - und nicht
zuletzt durch seine besonders starke Performance, bei der er im Gewand eines psychopathischen Killers unterwegs ist – als was denn auch sonst? ;-)
Waren auf den letzten zwei Alben EoAC und DD schon gute Rocksongs zu hören, so kommt Alice nun
wieder mit einem Konzeptalbum und mit ACAS unter Beweis stellt, daß er ein ...nein, sogar der Meister
auf diesem Gebiet ist. Kompositorisch behält Cooper den Weg „back to the roots“ zwar bei, doch im
Gegensatz zu den letzten beiden Realizes präsentiert er sein Retro-Songwriting in Zusammenarbeit mit
Danny Saber und Greg Hampton diesmal in einer etwas moderneren, akustisch frischeren Produktion.
Mit einem geschickt in Szene gesetzten Prolog „We found his diary today. He wrote ... great detail.
How clevery he planed all of the killings. How precisely he actuated his insane fantasies. He‘s all
so perfect, exept for one thing, one thing, one thing, one thing, one thing!“ beginnt die Geschichte,
die Alice uns in herrlich cooperschen Manier auf seinem Album erzählt. Eine etwas schräge, skurrile
Horror-Love-Story, bei der jeder der elf Songs thematisch für einen Tagebucheintrag des Serienkillers
Spider steht und sich Dank Coopers unerschöpflichen Einfallsreichtum und seinem Hang zur
Dramaturgie in aller Breite entfaltet. Der Killer Spider, raffiniert und heimtückisch, hält sich zunächst für
unbesiegbar, verstrickt sich aber angesichts seines letzten achten Opfers dann doch in innere Konflikte,
denn er verliebt sich und bringt es nicht übers Herz, sie zu töten, sondern läßt sie gehen.
„I know where you live“, ein teilweise etwas sperriger, aber cooler Opener, der rockt und mit den
schön skurrilen Backinggesängen im The Who- und Zappa-Style im Ohr bleibt. Bei „Vengeance is mine“ kommen mit dem düster schweren Sound sofort Erinnerungen an BP hoch, während Gitarrenheld
Slash (G‘nR, Velvet Revolver) bei seinem Gastauftritt neben den kleinen Jimi Hendrix‘ „Voodoo Child“
-Zitaten ein slashy-typisch cooles Solo runterreißt.
Für eine echte Überraschung sorgt dann der nächste Track „Wake the Dead“, eine modern-frische
psychidelic-Rocknummer. Co-Autor ist hier kein Geringerer als das Birminghamer Nebelhorn Ozzy
Osbourne, der auch die Harp auf dieser, mit ungewohnt tanzbarem Groove daherkommende Nummer
einspielt. Den Bass-Part hätte auch der gute alte Dennis bringen können. Yeah, das kommt richtig gut!
„Catch me if you can“ – ein Killer läßt grüßen! Dieser Song ist Alice Cooper pur. In typisch zickiger
Manier und mit schönen `catchy´ Gitarreneffects. „(In Touch with) your feminine Side“, ein locker
solider Detroit-Rocker, von der Gitarrenarbeit, die stark an Ur-Cooper Sideman Glen Buxton erinnert, bishin zu den Stones entliehenen `Huhuhuh´s. „Wrapped in silk“ rockt! Geht voll ins Ohr und ins Blut.
Coole Nummer!
Und da ist er wieder, der obligatorische Alice Cooper Balladensong „Killed by Love“. Diese Art von
Song gehört wohl auf jede Cooper-Platte, hat etwas von FTI (How you gonna see me now) und GTH
(I never cry) und geht voll durch, allein schon wegen seiner Hommage an John Lennon. Sehr schön!
„I‘m hungry “...yes, and here comes dinner! ;-) Fängt mit einem Stones-ähnlichem Riff an und geht
dann cool, frech und bissig über die Bühne. Einziger Wermutstropfen ist dieses monotone „Gimme“,
dafür aber wiederum läßt Alice mit seinen „huuuhuhu“‘s den Song nett ausklingen.
„The One that got away“, der Schlüsselsong zu der Geschichte, etwas schwerlastig und mit typischer
Alice-Melodie, mittendrin ein kurzer Dialog zwischen „Spider“ (Alice) und seinem vermeintlich nächsten Opfer (Calico).
Mit „Salvation“ hat der Coop noch einen richtigen Gänsehautbringer dabei. Alice zieht hier alle
Register – von Anspielungen der früheren Hitsingle „Hello Hooray“ über FTI bishin zu TLT. Dieser
Song zeigt, daß der alte Haudegen nichts verlernt hat, es noch immer richtig gut drauf hat. Und dann dieses Saaaalvaaatiiion zum Schluß...wow, hey Alice! ;-)
Aber halt, da kommt noch etwas - nein, so leicht läßt der Meister uns nicht entkommen... und so jagt er uns mit „I am the Spider“ noch einmal einen wohligen Schauer über den Rücken.
Als krönenden Abschluß spricht Alice den Epilog zur ACAS-Story...mit einem unerwarteten Ende: Die
ganze Story ist nur ein Hirngespinst von Steven, der von Alice in WTMN-Zeiten kreierten Charakter,
der seit 28 Jahren in einem Irrenhaus einsitzt. Nichts davon ist wirklich passiert, das Tagebuch des Spiders existiert nur in Stevens Kopf.
„Well, they found my diary today, there a publicly a ... for a scary of eight victims. Can‘t are
putting all together. Woman wrapped in silk with one leg missing. Eight legs, one body, silk
spider, brilliant! We‘ve been in the self the 28 Years, Steven. We‘ve couldn‘t have done that
horrible things. Yes, I know. I know what you always say: You trap, you kill, you eat. That‘s what
the good spiders does. You trap, you kill, you eat. You trap,...you kill,...you eat.“
Along Came A Spider - wieder einmal ein Album mit vielen guten Einfällen und netten Überraschungen,
ein weiteres Ausrufezeichen in seiner Karriere, und es versprüht den düster-mystreiösen Rockcharm von
Alice Cooper in seinen besten Zeiten. Ganz getreu dem Titel nach krabbeln sich die (leider nur) elf
Songs wie lauter kleine Spinnen in die Gehörgänge und spinnen dort ein immer dichter werdendes Netz,
in dem man langanhaltend hängen bleibt, und dazu führt, erneut auf `play´ zu drücken – spiel‘s ... nein, spinn‘s nochmal Alice! ;-) Anspieltipp: sind (eigentlich das ganze Album! *gg*) Wake the Dead, Wrapped in silk, I am the Spider Mein Eindruck: Absolute Empfehlung
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