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Die Erlebnisse auf zwei Konzerten
Wie ich in letzter Zeit häufig bei Konzerten beobachtete bzw. mir von anderen bestätigt wurde, scheint kein Mensch an den „vorderen Plätzen“ interessiert zu sein. Nach dem Einlaß wird der Fanartikel-Stand bestaunt, dann die Imbiß- und Bierstände getestet. Da ich nicht zum Essen und Trinken ins Konzert gehe, kommt man ohne Probleme zu einem Platz in der 4. - 8. Reihe. Erst ca. 20 Minuten vorm offiziellen Beginn füllte sich die Halle. "Lukan" begann pünktlich und abgesehen von ersten Titel, der einfach nur laut war, war die Darbietung nicht schlecht. Die Jungs geben sich alle Mühe, die Fans machten mit, auch Spielchen a la "Ihr singt den Refrain" oder „wir ein Wort, Ihr ein Wort“ etc. Bei den letzten drei Titeln hatte "Lukan" die Massen (1200 Leute in der bis Anschlag gefüllten Stadthalle) voll im Griff, die richtig heiß waren. Man spürte, daß sie durchaus noch hätten weiterspielen können und wollen. Ihr Abgang von der Bühne kam einem regelrechten interuptus gleich. Die Umbau-, Soundcheck- und "sich feiern-lassen"-Pause von etwa 35 min. nahmen alle relativ gelassen. Dann war es soweit. Licht aus, den Kasten mit dem halben Menschen in die Mitte gezogen und geöffnet, Intro, wieder zu und weg, Band auf die Bühne, die Leute begannen zu feiern. Als der Meister an der hinteren Treppe erschien und hinaufkletterte, war die Menge am Kochen!! Er schwang seinen Marschallstab - WELCOME ON THE BRUTAL PLANET! Sichtlich gut aufgelegt und gut gelaunt bot er seine Show dar. Auch die Band gab alles. Bei der Guillotine-Nummer "spielte" der Henker noch etwas mit der Masse, ließ das Beil ein Stück herunter, bedeutete, ob er wirklich solle, zog wieder ein Stück hoch usw. Die ersten Takte von „Poison“ schlugen an, da begannen die Fans schon zu singen. Der Meister schien zu schmunzeln.... Zugabe am Ende 15 Minuten, leider etwas übersteuert. Nach dem Konzert gab die Vorband noch Autogramme am Merchandising-Stand. Man verabschiedete sich von den Fans neben sich, mit denen man die letzten 2 Stunden gefeiert hatte und war glücklich. Ich war sehr begeistert. Einer der nächsten TorTourTermine war Schweinfurt. Da ich ohnehin in diesem Jahr nach Schweinfurt wollte, machte ich den Termin dort zum Auftritt des Meisters passend. Das Quartier lag genau gegenüber der Veranstaltungshalle - besser konnte es nicht kommen. Allerdings muß ich vorausschicken, daß ich, hätte ich das Schweinfurter Konzert als erstes erlebt, kein zweites besucht hätte. Schweinfurt, 22.07.2000, ICE-DOME Als ich da so wartend in der 4. Reihe stand, hatte ich das Gefühl, daß die Atmosphäre kühler als in Plauen sei. Mag vielleicht an der Eissporthalle liegen, dachte ich dann. Doch mein erster Eindruck bestätigte sich (leider). Die Fans dort waren irgendwie fordernder. Die Leute in meiner Umgegend (insgesamt ca. 2300; die Halle etwa 2/3 gefüllt) hatten nichts besseres zu tun, als ständig frisches Bier heranzuschaffen. Die Vorgruppe wurde teilweise ausgepfiffen und ausgebuht, hielt aber tapfer durch. Hatte „Lukan“ aber nicht verdient. Der Leadsänger ließ einmal auch ein "fuck you" verlauten; die Laune war sichtlich nicht besonders gut - verständlich. In der Umbaupause gab ein Moderator des örtlichen Radiosenders per Durchsage bekannt, daß die geplante After-Show-Party mit Table-Dancing und Tattoo-Show aus "öffentlich-rechtlichen Gründen" nicht stattfinden werde. Die Verlosung fände aber statt. - Es gab spezielle Eintrittskarten mit dem Tour-Plakat-Motiv und einer lfd. Nummer, die ausgelost wurde. Die Fans, die ihre Karte an den regulären Vorverkausfsstellen (also die grün-weiße mit dem Hologramm) und nicht über den örtlichen Verkauf erworben hatten, zogen lange Gesichter. Gewinnen konnte man einen VW Beetle, Tattoo-Gutscheine usw. Finde ich persönlich nicht sonderlich passend, Alice mit Tattoo-Shows zu verkuppeln. Als es dann soweit war, der Kasten mit dem halben Mensch kam NICHT zum Einsatz (war aber aufgebaut) und Alice dann auf dem Podest stand und den Marschall-Stab erhob, begannen die Leute zu drängeln (!!!). Fand ich blöd, aber naja. Vincent schien auch nicht die beste Laune zu haben; ich hatte den Eindruck, daß er stur das Programm abspulte. Die Stimmung blieb in meinen Augen weiter kühl. Das Fallbeil wurde, im Gegensatz zu Plauen, nicht hervorgezogen, sondern blieb halbrechts da, wo es stand. Der Henker ließ ohne "Spiele" mit dem Publikum den Stahl fallen. Zugabe gabs auch nur 7 Minuten. Die Vorband gab keinen Autogramme, was in Anbetracht des Verhaltens der „Fans“ verständlich war. Ach wenn ich nur wegen einem bestimmten Künstler zu seinem Konzert gehe und weiß, daß es eine Vorband gibt, gibt es zwei Alternativen: stillschweigend ‘ertragen‘ oder rausgehen. Allerdings muß es im Vorfeld einige Unstimmigkeiten gegeben haben, dann anders ist einiges nicht zu erklären. Am Folgetag setzte ich mich mit der örtlichen Presse in Verbindung und erfuhr so einige interessante Dinge, die zum Gesamtbild passen. Wie oben erwähnt, fand das Konzert in einer Eissporthalle statt. Die Bühne war an der Schmalseite aufgebaut, dahinter befand sich eine Fensterfront und zwei geöffnete Flügeltüren. Alles in Richtung Sonnenuntergang, so daß es besonders lange dauerte, bis es dunkel wurde. Das Licht wurde ohnehin erst nach dem dritten Titel der Vorband völlig gelöscht. Wie ich am Folgetag erfuhr, muß die Halle ab etwa der 15. Reihe eine Sch...-Akustik gehabt haben, also mehr laut als genußvoll. (Betonboden und Blechdach ohne Dämmung) Es wird wohl erstmal das einzige Konzert dort gewesen sein. Und Vincent reist bestimmt nicht nochmal an. Ohnehin tut sich Schweinfurt sehr schwer mit Konzerten dieser Art. In Schweinfurt haben nie Rockkonzerte stattgefunden, bis sich dann die Stadt zu sowas durchrang und gleich die "Monsters of Rock" ranholte. War wohl Mitte der 80er. Die Presse muß verrückt gespielt haben von wegen "Hilfe, die Rocker brennen die Stadt nieder". Schon einen Tag zuvor hätte sich kein Mensch auf die Straße getraut, die Gaststätten waren verrammelt; nur die Tankstellen machten den Umsatz des Lebens (und hatten beizeiten keine Getränke mehr). Gut dran waren nur die drei Kneipen, die doch aufmachten und den hungrigen Jungs was zu Essen gaben. Ein paar Marktstände sind doch zu Bruch gegangen. Jedenfalls war die Stadt mit den 60.000 Fans völlig überfordert und es fanden dann 8 Jahre erstmal überhaupt keine Konzerte mehr statt (wenn man über Kindereien wie Volksmusik-Stadl hinwegsieht). Was die öffentlich-rechtlichen Gründe waren, die die After-Show-Party verhinderten, konnte mir nicht gesagt werden. Vermutlich hatte man Angst, daß ein paar „wildgewordene“ Tätowierte Unruhe stiften. Auf keinen Fall will ich das Schweinfurter Konzert verdammen oder die Stadt bzw. Veranstalter verunglimpfen. Lediglich sollen die Unterschiede EINER Show dargestellt werden. © St. Wagner, exclusiv für www.palerider.de, September 2000 |
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