|
KALKULIERTER ERFOLG
Es ist der erste heiße Tag im Wonnemonat Mai, und ALICE COOPER ist in der Stadt, um sein neues Album „The Last Temptation“ zu promoten. In Hamburg hat sich natürlich alles die Klinke in die Hand gegeben, was medientechnisch „wichtig“ ist. Das rege Interesse der sogenannten „Mainstream“ - Publikumszeitschriften ist nicht zuletzt auf den cleveren Marketingschachzug zurückzuführen, das Album parallel mit einem Comic auf den Markt zu bringen... Der Interview-Termin mit Rock Hard ist der letzte des Tages, und vor mir haben schon 15 Kollegen den Meister gelöchert. Um die lästige Pflichtübung hinter uns zu bringen, soll er erst mal die für ihn an diesem Tage wahrscheinlich langweiligste Frage beantworten. Was bringt das neue Album „The Last Temptation“? Alice: „Die ganze Idee war einfach, eine Geschichte zu erzählen, die mir von der Aussage sehr am Herzen liegt. Die
Story spielt irgendwo in Amerika, könnte aber auch genauso gut hier in Hamburg laufen. Die Kids sind gefrustet und
wissen nichts mit sich anzufangen. Auf ihren Streifzügen durch die Stadt entdecken sie plötzlich Lebenszeichen in einem
alten Theater. Sie treffen dort den Protagonisten der Erzählung. ‚The Showman’, einen klassischen ALICE COOPER
-Charakter. Er lädt die verängstigten Kids ein und verspricht, ihnen das wahre Leben zu zeigen. Dinge, die sie nie zuvor
gesehen haben. Der einzige, der all seinen Mut zusammennimmt, um die Vorstellung zu sehen, ist Steven. Er war immer
der Wimp der Clique und will’s nun allen zeigen. Komischerweise ist er der einzige Gast im Theater. Als sich der
Vorhang öffnet, sieht er Charaktere auf der Bühne, die all die „schlechten Eigenschaften“ unserer Zeit glorifizieren. Für
Steven sieht die Vorstellung sehr verlockend aus. Es geht um Drogen, Gangs (,Bad Place Alone’) Geld (,Lost In
America’) und Sex (,You're My Temptation’). Die Personen auf der Bühne repräsentieren alle Attribute, die für die
heutigen Kids in Amerika Glück bedeuten. Steven sieht zunächst nur, wie viel Spaß alle haben, aber irgendwas scheint
ihm nicht geheuer. Bis er auf einmal begreift, dass alle Prediger der Glückseligkeit in Wirklichkeit tot sind! Der Junge
versteht jetzt, worum es wirklich geht: All diese Dinge, so spaßig sie auch scheinen, führen früher oder später in den Um die - nicht uninteressanten Ausführungen des Märchenonkels Alice ein wenig abzukürzen, fassen wir den Rest des Albums kurz zusammen: Im weiteren Verlauf wird Steven den Versuchungen widerstehen (,Stolen Prayer’ - hier singt Alice im Duett mit Soundgardens Chris Cornell), sich dem Kampf mit dem Showman stellen (,Unholy War’) und erkennen, dass er eigentlich nur gegen seine eigenen Gefühle angeht. Der Geist des Showman verfolgt ihn bis in den Schlaf (,Lullaby’), und im Traum erkennt der junge Held, dass er es richtig macht (,It’s Me’), wenn er den Showman nicht nur bekämpft, sondern ihn gleich mitsamt dem Theater abfackelt (,Cleansed By Fire’). Erlöst von seiner Tat, kommt Steven nach Hause und findet - na, wen wohl? - Den Showman in seinem Badezimmerspiegel. Er erklärt dem jungen Mann, dass er immer in seiner Nähe sein wird. Seit 6.000 Jahren, also seit Anbeginn der Zivilisation, sei er unterwegs, und so leicht würde man ihn nun wirklich nicht loswerden... Auch, wenn uns die Moral der Geschichte mit dem Holzhammer trifft (Wie meinen? Wohl zu heiß gebadet, Frau Röder.. . - Red.), so hat die Erzählung „The Last Temptation Of Alice Cooper“ungeahnte Reize. Die Texte sind gelungen, und die emotionalen Abfahrten der einzelnen Szenen kann man anhand der Musik problemlos nachempfinden. Jeder sollte sich die Mühe machen und parallel zum Hören des Albums die Storyline verfolgen. Alice, glaubst du, daß man in der heutigen Zeit noch ein totales Konzept für die Veröffentlichung eines neuen Albums benötigt? Alice: „Die Zeit war einfach reif. ‚Trash’ und ,Hey Stoopid’ hatten ein Thema. ‚The Last Temptation’ ist eine zusammenhängende Geschichte, und ich wäre der Sache nicht gerecht geworden, wenn ich nur ein Album eingespielt hätte. Es langweilt mich, Videos zu drehen, deshalb der Comic. Ich möchte es auch nicht ein hundertprozentiges Konzeptalbum nennen. Wir haben nicht alles parallel entwickelt. Als ich mit Neil Gaiman - dem Comicschreiber - zusammentraf, habe ich klipp und klar gesagt, daß ich erst die Lyrics ausarbeite und wir dann die Geschichte zusammenbauen bzw. ich die Songs dazu schreibe. Der einzige Hintergrund ist, daß ich etwas bezüglich der Situation der Jugendlichen in Amerika zu sagen hatte. Viele sind dermaßen orientierungslos, daß ihr Leben oft in Straßenschießereien oder Ähnlichem endet. Nicht, daß ich wie ein Fünfzehnjähriger empfinden könnte, aber ich gehe schließlich mit offenen Augen durch die Welt. Ich selbst hatte eine sehr strenge Erziehung Zuhause, die mich von den schlimmsten Exzessen abgehalten hat. Es konnte kommen, was wollte, der Weg zurück nach Hause war immer offen. Heutzutage kennen die Kids ihre leiblichen Eltern gar nicht mehr. Was sich Kurt Cobain angetan hat, passiert in den USA tausendfach bei Minderjährigen.“ Ist die erste Single-Auskopplung ‚Lost In America’ als Hommage an die sogenannte Generation X , die verlorene Generation gedacht? Alice: „Ja, sicher. Wer sind denn die Eltern der Generation X? Das waren doch Hippies. An welche Grenzen sollen die Kids denn Zuhause noch stoßen, wenn die Eltern mehr Drogen konsumieren, als sie selbst?“ Musikalisch ist das neue Album stark ‚back to the roots’ ausgefallen. War die Arbeit daran für dich mehr gute alte Handarbeit, als Inspiration? Alice: „Yeah, das neue Album ist absolut ‚old Alice’. Das hat aber nichts mit fehlender Eingebung zu tun. ALICE COOPER stand schon immer für Rock’n Roll, wie z.B. auch Aerosmith. Ich habe mich nie mit Heavy Metal identifiziert. Das Album hat sich so ergehen. Es ist MEINE Musik. Ich bin z.B. gelangweilt vom Death Metal. Viele sprechen immer noch von ‚gothic’ und ‚evil’ - ich kann es nicht mehr ertragen. Mein Lieblingssong in diesem Jahr ist ‚Mmm Mmm Mmm Mmm’ von den Crash Test Dummies. Als ich diesen Song zum ersten Mal im Radio gehört habe, dachte ich: ‚Wow, das ist real!’ Die singen über keinen Scheiß, die erzählen vom Leben, wie es wirklich ist.“ Comics sind eine populäre Kunstform... Alice: „Ja, absolut!“ ...und früher gab es immer eine Kombination zwischen Deiner Musik und Kunst. Ist der Schritt mit dem Comicjetzt dieselbe Entwicklung, nur mit einem modernen Werkzeug ? Alice: „Das kann man so sehen. Ich habe noch viele verrückte Ideen, die man im Zusammenhang mit ALICE COOPER realisieren könnte. Es laufen Gespräche mit SEGA über ein ALICE COOPER-Videospiel, aber das ist alles schwer zu verwirklichen. Aber was soll’s. Früher gab’s zu jedem ALICE COOPER Album ein besonderes Give-away, z.B. eine riesige Dollarnote zu ‚Billion Dollar Babies’ oder einen rosa Schlüpfer. Es machte uns tierischen Spaß die großen Vinylcover zu gestalten. Heute hast du ein kleines hässliches Stück Plastik. Ein Comic-Buch ist da schon handfester. Der Comic ist der Erstauflage beigelegt und wird bestimmt mal ein Sammlerstück.“ Deine Konzerte in den frühen siebziger Jahren waren totale Konfusion und sehr emotional. Heutzutage sind die Shows reduziert auf ein gut organisiertes Rockkonzert mit Schock-Elementen. Ist das nicht langweilig? Alice: „Oje. Ich will gar nicht mehr schocken. Die Zeiten sind vorbei . Ich kann nicht schockierender sein, alsdie täglichen Nachrichten. Gerade habe ich im TV gesehen, daß es 200.000 Tote bei den Unruhen in Ruanda gab. Das ist wirklich Horror. Wenn ich auf der Bühne einer Puppe den Kopf abreisse, kann ich keine Kulleraugen in Publikum erwarten. Trotzdem steht der Name ALICE COOPER für eine ausgefallenen Show. .Ich konzentriere mich mehr auf Dinge, die den Zuschauer in Erstaunen versetzten. Ich will Elemente on stage präsentieren, die noch niemand gesehen hat. Die magische Leinwand auf der ‚Hey Stoopid’-Tour war ein Anfang.“ Wäre es für Dich interessant, mal nur für die Ohren des Publikums zu spielen und nicht für die Augen? Only Rock’n Roll ohne Schnick Schnack? Alice: „Gute Frage. Gestern nacht haben wir lange darüber diskutiert. Wir haben mal zwei solcher Shows in einen kleinen Rahmen in Hollywood und London gespielt. Ich stand mit Jeans und T-Shirt auf der Bühne, und wir haben nur Musik gemacht. War ganz spaßig. Aber kommen 20.000 Leute zu einen ALICE COOPER-Konzert, wenn's keine Show gibt?“ Warum denn nicht? Deine Alben werden doch auch wegen der Musik gekauft. Viele Leute sind doch schon von der immer gleichen Show gelangweilt. Alice: „Tja, interessanter Gedanke. We will see“ Nach Deinen Riesen-Erfolgen in den siebziger Jahren und späteren, sehr ‚strangen’ Veröffentlichungen kam dein Comeback in den achtziger Jahren passend zur Blütezeit des Heavy Metal, War das pure Planung? Alice: „’Strange’ ist ein nettes Wort für die Platten in den frühen 80ern, haha. Es gab in den 70ern die Discowelle, und niemand wollte ALICE COOPER-Songs hören. Wir haben mit unseren Sound herumexperimentiert, und dann kamen solche Songs wie z.B. ‚Clones’ dabei heraus. Huh! Letztendlich mussten wir abwarten, bis wieder Rock im Radio gespielt wird. Als die Zeit dann reif war, haben wir zugeschlagen.“ Dann haben wir das Hit-Album ‚Trash’ auch einer kühnen Berechnung zu verdanken? Alice: „Ja, der Erfolg war kalkuliert. Wir wollten wieder Platten verkaufen. But who cares? Es waren gute Rocksongs.'“ Letzte Frage: Was wird dir in den nächsten zehn Jahren wichtiger sein: Musik machen oder Golf spielen? Alice: „Hoho! Das ist eine wirklich komische Frage. (In der Tat! --Red.) Ich spiele tatsächlich leidenschaftlich gern Golf. Ich habe ein Handicap von 2 (Weltklasseniveau - Anm. d. Verf.) , doch irgendwie ist mir der Sport nicht aggressiv genug. Aber in Ernst - ich bin jetzt 46 Jahre alt und finde: Rock’n Roller, die noch im Alter von 50 Jahren mit schwarzgefärbten Haaren auf der Bühne stehen, gehören erschossen.“ Du hörst also auf, dir die Haare zu färben? Worauf er nur noch schallend lacht und aufsteht, um seinen Koffer für den nächsten Flug zu packen... Jennifer Röder DENKMÄLER
Vincent Damon Furnier und ALICE COOPER sind ein und dieselbe Person. Aber so gegensätzlich sind auch die Charaktere des Privatmannes Furnier und seines selbsterschaffenen Entertainment -Pendants. Seit 26 Jahren der Inbegriff des Rock'n Roll-Zirkus: ALICE COOPER - THE AMERICAN DREAM! Vincent Damon Furnier wurde angeblich am 25. Dezember 1945 in Detroit, Michigan, als Sohn eines Elektronik -Ingenieurs geboren. Manche behaupten, es sei der 2. Februar bzw., wahlweise, der 4. Februar 1949 gewesen sein. Auch sei sein Vater nicht Ingenieur, sondern protestantischer Priester von Beruf. Freunde erzählen zudem, im Schuljahr 1964/65 habe Vincent - als dritter Amerikaner unter 18 Jahren überhaupt – einen Marathonlauf erfolgreich absolviert und eine Karriere als Sportler angestrebt. Anyway, was schon mit Konfusion um Herkunft und Kindheit beginnt, wird im weiterem Lebenswerk nicht immer übersichtlicher. Denn ab 1965 versuchte Furnier (noch trug er auch öffentlich diesen Namen) mit den Combos The Spiders, Earwigs, Husky Babies und schließlich Nazz sein Glück. Das Problem blieb immer das Gleiche: Alice: „In Los Angeles gab es damals 25.000 andere Bands, die alle versuchten, etwas zu reißen. Wir hatten immer das Pech, meistens erst um fünf Uhr morgens auftreten zu können, als niemand mehr da war. Also musste etwas geschehen, ein neues Outfit und ein Name her, der dazu passt. Wir diskutierten stundenlang, am Ende blieb ‚Alice Cooper’ im Raum stehen. Eigentlich ein weiblicher Name, aber uns war’s egal, wir wollten nur eins: daß uns die Leute zuhören." Dazu wurde umgehend ein entsprechendes Outfit kreiert: silberne Kostüme, Stöckelschuhe, chromfarbene Schlaghosen, grelle Schminke und ein Habitus, der Cooper als transsexuelles Fabelwesen erscheinen ließ. Das Musikmagazin ‚Rolling Stone’ entdeckte darin „die schlechteste Band von L.A.", Frank Zappa hingegen sah Alice Cooper bei einem Konzert im Venice-Club, bemerkte das vielversprechende Show-Konzept und holte die Band auf sein Plattenlabel Straight. Doch die Kooperation stand von Beginn an unter einem unglücklichen Stern: Alice: „Zappa hielt uns für einen Haufen Irrer. Er glaubte, wir seien lediglich an der Show interessiert und würden uns um die Musik einen feuchten Kehricht kümmern." Mit stattlichen 100.000 Dollar Verlust verließ Alice Cooper das Zappa - Label und unterschrieb bei Warner einen Major-Deal. Gleich das erste Album LOVE IT TO DEATH (1971) hatte mit ,I'm Eighteen’ einen seiner größten Hits überhaupt. Das, was ‚My Generation’ von den WHO für die Briten darstellte, war dieser Song für die Amerikaner: die ultimative Teenager-Hymne. Von nun an ging alles Schlag auf Schlag: Cooper setzte auf theatralische Bühnenoptik, schleppte in seinen Konzerten mittels elektrischer Stühle, Guillotinen, Messer und Degen ein ganzes Waffenarsenal mit sich herum (was ihm übrigens den Spitznamen ,Alice im Plunderland’ einbrachte), hantierte mit einer lebenden Boa Constrictor, ließ Rauchbomben explodieren und seine Bandmitglieder wüst miteinander rangeln. Dazu installierte er einen sechs Meter hohen Zyklop mit Laserstrahlauge und ließ lauthals verkünden: „Wir sind das Abbild der modernen Gesellschaft - Amerika baut sich auf Sex und Gewalt auf" In den frühen siebziger Jahren hatte Cooper seine wohl kreativste Phase, besaß mit den Songs ,Elected’, ,Billion Dollar Babies’, ‚No More Mr Nice Guy’, ‚Hello Hooray’ und vor allem ‚School's Out’ einen Stammplatz in den Single-Charts. Auch in Europa machte die Mär von der exzentrischen Rockshow schnell die Runde. Bei seinem ersten Konzert in London fuhr Cooper, nur mit einer Schlange bekleidet, mitten in der Rush Hour auf einem LKW zum Picadilly Circus und machte Reklame für sein am selben Abend in der Wembley Arena stattfindendes Konzert. Alice: „Das liebe ich so an den Briten. Sie stehen auf diesen ganzen Hollywood-Mist. Das Photo dieser Aktion brachte es sogar auf die Seite eins der ‚London Times’, und wir hatten die Arena rappelvoll.“ Doch der Erfolg forderte seinen Tribut. Die Band war auf eine derartige Welle der Euphorie nicht vorbereitet und konnte mit der Mischung aus Reichtum und Tourstreß zunehmend weniger umgehen. Cooper selber begann zu trinken, verpasste immer häufiger den Rückzug von der öffentlichen Person Alice Cooper zum Privatmann Vincent Furnier. Alice: „Der Druck war einfach zu groß, ich trank immer mehr. Niemand hat damals so richtig realisiert, dass ich ständig unter Strom stand. Die Show war immer okay, aber die restlichen 22 Stunden des Tages ging es mir ziemlich beschissen.“ Entziehungskuren folgten und 1978 mit dem Album FROM THE INSIDE eine Art Comeback. Doch trotz der Hitsingle ‚How You're Gonna See Me Now’ wirkte Cooper merkwürdig zahm, fast schon lethargisch. „Der Schlangenmensch hat die Giftzähne des Exzesses gegen die Milchzähnchen eingetauscht“, machte sich der ,New Musical Express’ über den ‚neuen’ Cooper lustig. Die folgenden Veröffentlichungen FLUSH THE FASHION, SPECIAL FORCES, ZIPPER CATCHES SKIN und DADA waren dann auch kaum mehr als müde Heavyrock - Alben. Zwar wies die Kreativitäts - Kurve auf CONSTRICTOR (1986) und RAISE YOUR FIST AND YELL (1987) wieder nach oben, sein wahres Comeback gelang Cooper jedoch erst 1989 mit TRASH (siehe 100 Meisterwerke in dieser Ausgabe). Durch tatkräftige Unterstützung des Hitlieferanten Desmond Child sowie Mitgliedern von Aerosmith und Bon Jovi gelang ein melodisches Meisterwerk (sic!), aus dem die Single ,Poison’ sowie die Songs ‚Bed Of Nails’ und ‚House Of Fire’ herausragten. Mit diesem Erfolg im Rücken konnte Cooper auf großangelegter Welttournee auch endlich wieder seine abwechslungsreiche Bühnenshow präsentieren. Anläßlich der zwei Jahre später stattfindenden HEY STOOPID-Tournee wurde auch die magische Videoleinwand wieder eingesetzt, in die Cooper durch geschickte Sequenzen zeitweise von der Bühne in eine fiktive Geschichte eintauchte. Auf HEY STOOPID präsentierte der Meister mit Slash, Joe Satriani, Steve Vai und Ozzy Osbourne erneut eine Vielzahl musikalischer Berühmtheiten, insgesamt war das Album jedoch deutlich schwächer als der TRASH-Vorgänger. Mit der Single ‚Feed My Frankenstein’, einer Zodiac Mindwarp-Komposition und seiner coolen Erscheinung im ersten Teil von ‚Wayne’s World’ manifestierte Cooper dennoch seinen Ruf als Entertainer par excellence . Apropos ‚Wayne’s World’: Der legendäre Kniefall der beiden Hauptakteure Wayne und Garth vor Cooper, verbunden mit dem Ausruf „We’re not worth’, gilt seither als beliebter Willkommensgruß für Alice C. Auf Partys und Pressekonferenzen. Auf der Suche nach dem Außergewöhnlichen, dem entscheidenden Vorteil zur allgegenwärtigen Konkurrenz, entschloß sich Cooper 1994, gleichzeitig mit seinem neuen Album THE LAST TEMPTATION einen von Zeichner Neil Gaiman (Erfinder der ‚Sandman’-Figur) entworfenen, dreiteiligen Comic-Strip zu veröffentlichen. Geplant war auch ein von Sega entwickeltes Videospiel mit gleichem Inhalt. Doch die Fans zeigten sich von den musikalischen Leistungen des Albums enttäuscht, obwohl mit Soundgardens Chris Cornell und den Produzenten Don Fleming (Sonic Youth) und Andy Wallace (Faith No More, Nirvana) erneut ein illustres Fachpersonal mit am Start war. Coopers neuestes Album, das soeben erschienene (Best Off) CLASSICKS stellt wohl eine Art Resümee der bisher 25 Studiowerke des exzentrischen Amerikaners dar. Die Gefahr der Schizophrenie, dem permanenten Zwist zwischen dem öffentlichem Cooper und dem privatem Furnier, hat der Maestro übrigens mit einem speziellen Trick in den Griff bekommen. Alice: „In meiner Garderobe steht immer ein großer Spiegel. Bevor die Show beginnt, stelle ich mich davor und schaue mich 15 bis 20 Minuten lang an. Nicht, weil ich mich so schön finde, sondern als eine Art Meditation, zur Selbsthypnose. In diesen Minuten wird dann aus Vincent Furnier jener Alice Cooper, der dann später auf der Bühne zu sehen ist.“ Matthias Mineur
|
||||||||