|
DIE LETZTE VERSUCHUNG
Steven, alias Alice Cooper meldet sich mit einem neuen Opus zurück. Nach seinen, aus kommerzieller Sicht gesehen, Riesenerfolgen, besinnt er sich dennoch auf die alten Zeiten zurück und veröffentlicht wider erwarten, ein Album, bei dem vor allem die Fans der ersten Stunde wieder mit Herzklopfen den Repeatknopf ihres CD-Players aktivieren werden. Grund genug, nach Frankfurt zu fahren und Steven, bzw. Alice mit „lästigen“ Fragen die Zeit zu vertreiben. Horst traf ihn im Arabella Grand Hotel und hier ist sein Bericht. „The Last Temptation“ ist, nach langer Zeit erneut ein Konzeptalbum, wie schon 1975 „Welcome To My Nightmare“... Alice: „Das ist richtig, jedoch zwischen den beiden gibt es einen großen Unterschied. „The Last Temptation“ basiert auf einer kompletten Geschichte. „Welcome To My Nightmare“ war eher eine Erläuterung, als eine Story. Es ging um Wahnsinn, oder das, was wir Alpträume nennen. Ich schrieb Songs über die Dinge, die im Kopf abgehen, über die Ängste und das ganze Rätselhafte was damit zusammenhängt. Bei „The Last Temptation“ war das anders, denn da existierte zuerst eine richtige Geschichte, bevor überhaupt der erste Song geschrieben wurde. Das Schöne daran war, daß wir richtiggehend luxuriös mit der Zeit umgehen konnten. Wir arbeiteten ganz ohne Zeitdruck. Ich glaube, deswegen hat es auch Hand und Fuß, was dabei herauskam. Ich habe das Glück in einer Position zu sein, in der ich nicht jedes Jahr ein neues Album herausbringen muß. Das wichtigste beim Machen eines Albums ist Zeit und das langweiligste ist es, keine zu haben. haha...“ Meiner Meinung nach ist deine neue Scheibe um einiges besser, als deine letzten zwei. Es geht musikalisch wieder mehr in die Richtung deiner Scheiben wie: „Billion Dollar Baby“ oder eben auch „Welcome To My Nightmare“ und weg vom ganzen Pop-Image... Alice: „Man könnte sagen, das Album ist eine musikalische Mischung aus einigen meiner früheren Longplayern. Ein Teil „Love lt To Death“, ein Teil „Billion Dollar Baby“ und ein bißchen „Gone To Hell“. Ich habe immer wieder ein paar Themen der früheren Alben verwendet, aber dieses Mal denke ich, daß es nicht dasselbe ist, obwohl ich die Alben damals in Ordnung fand. Damals habe ich auch noch ein wenig die Richtung bestimmt und genau das war es, was in letzter Zeit nicht mehr so der Fall war. Und dieses Album ist wieder ein richtiges ALICE-Album. Es hätte eigentlich nur noch Bob Ezrin als Produzent gefehlt, dann wäre alles wieder beim alten gewesen.“ Hatte er keine Lust das Album zu machen? Alice: „Lust schon, aber keine Zeit, da er gerade an „Division Ball“ (?) arbeitet. Und ich bin mir sicher, wenn wir auf ihn auch noch gewartet hätten, dann hätte die Produktion dieses Albums noch einige Jahre gedauert, hahaha... So habe ich mich für mehrere Produzenten entschieden. Einen für die rock'n rolligeren Tracks, einen für die eher radiotauglichen Songs und einen für die theatralischen Stücke, auf welche ich sehr viel Wert gelegt habe. Die Produzenten waren John Purdell, Duane Baron, Don Fleming und Andy Wallace, der für die ganzen Streicher und die Bläser verantwortlich war.“ Dennoch hört es sich schon sehr nach Bob Ezrin an... Alice: „Ja ich denke er ist ein Produzent, der seine Hausaufgaben gemacht hat, wenn man ihn so anhört... Vor kurzem sprach ich mit Gene Simmons von KISS über Bob, er bewundert seine Arbeit ebenso... Alice: „Bob ist gut, aber er geht hart ran, wenn man mit ihm arbeitet. Wenn du schlecht wirst während der Aufnahmen, dann schickt er dir richtiggehend eine Kugel. Aber er schafft es immer wieder seine Arbeit zu Ende zu bringen.“ Du hast viele Alben mit ihm aufgenommen... Alice: „Das erste Mal habe ich mit ihm beim dritten Album zusammengearbeitet. Mittlerweile weiß ich schon gar nicht mehr, wieviele Alben wir zusammen gemacht haben. Aber ich glaube es waren zwischen zwölf und fünfzehn Platten. Er hat es einfach raus.“ Wer hatte die Idee zu der Geschichte für das Album? Alice: „Das war Neil Gaiman. Er schickte mir das fertige Script.“ Und wie gings dann weiter? Alice: „Als Neil mit der Idee zu mir kam, war ich zunächst einmal sehr überrascht, da ich seine Arbeit kannte. Comics sind nämlich eins meiner Hobbys. Aber, was noch viel faszinierender daran war, die Story war genau auf meinen Leib geschrieben. Ich habe dann die Story mit Hilfe von Songs umgesetzt. Mein Ziel war es aber, nicht nur die Story in Musik zu betten, sondern dies so umzusetzen, dass jeden Song, obwohl er sich in ein Konzept einreiht, so zu schreiben, dass er auch alleine stehen kann. Zwar erzählt jeder Song einen Teil der Geschichte und alle Songs zusammen sind die Geschichte, doch das Konzeptalbum hätte mir nichts gegeben, wenn ein einzelner Song den man rauspickt, am Ende keinen Sinn ergeben würde. Ebenso ist es bei dem Comicbook und dem Album. Das Comicbook kann auch ohne das Album gelesen werden und umgekehrt. Beide Dinge sind unabhängig voneinander. Aber das absolut Erfreuliche daran ist , wenn du beides zusammen anschaust, funktioniert es umso besser...“ Als ich mir die Platte anhörte, dachte ich gleich: „Steven is back!" Alice: „Er war nie ganz weg. In allen meiner Shows war er immer anwesend er war immer das Opfer. Alice ist ,Steven’!“ Aber im Comic spielst du auch den ‚Showman’ selbst... Alice: „Ja, ich spiele beide Rollen.“ Wovon handelt die Story in groben Zügen? Alice: „Es gibt so viele Worte die wir nicht oder kaum mehr benutzen. Worte wie Versuchung („Temptation“). Erlösung („ Salvation“) oder Sünde. Wenn wir mehr dieser Worte verwenden würden, würden wir viel mehr aus einem anderen Blickwinkel sehen und uns oftmals in unseren Entscheidungen beeinflussen. Aber wir haben diese Worte vergessen. Wenn ich mir die heutige Generation so anschaue, muß ich sagen, sie erfahren von Haus aus keine Liebe mehr, sie haben von Haus aus keine Sicherheit mehr. Allein in Amerika basiert die Jugend über zwei drittel auf Konsum. Alle wollen mehr und mehr. Das macht mir Angst und ich wollte mit „The Last Temptation“ versuchen, einige von ihnen anzuregen, sich wieder auf die Basis zuzubewegen und vor allem ihre eigenen Werte wiederzufinden...“ Wieviele Leute waren an dem Gesamtprojekt beteiligt? Alice: „Neil Gaiman hat die Story geschrieben, Michael Zulli war für die Artworks verantwortlich. Beide sind Koryphäen auf ihrem Gebiet. Wie gesagt, ich habe die Story umgesetzt und die Musik habe ich mit mehreren unbekannten Musikern und Jim Vallance geschrieben. Das Ganze hat sehr viel Spaß gemacht, denn es ist einfach grandios mit Profis zusammenzuarbeiten.“ Befinden sich wieder einige Kultmusiker darunter und wenn du auf Tour gehst, werden das dann dieselben Musiker sein? Alice: „Ich hoffe, daß sie mitmachen, ich würde schon gerne mit den Jungs meine neue Band zusammenstellen. Ich könnte mir gut vorstellen, daß das sehr gut rüberkommen würde, da im Studio schon alles sehr persönlich abgelauf n ist. Nach der Produktion waren die Jungs irgendwie mehr als nur Musiker für mich. Es ist eh eine der besten Erfahrun en, die du machen kannst, wenn du mit einer „neuen“ Band auf Tour gehst. Aber warten wir’s ab.“ Eine „ALICE-Show“ besteht immer aus etwas Theater, Musik und viel Horror und aus vielen Interviews weiß man, daß du dich sehr für Horrorfilme interessierst... Alice: „Sagen wir’s mal so, ich war immer sehr daran interessiert, doch seit langer Zeit gab es keinen richtigen Horrorfilm mehr für mich. Der letzte, der mich wirklich erschreckte war William Friedkins „Der Exorzist“. Dieser Film hatte noch Atmosphäre. Die neuzeitlicheren Horrorfilme werden nur noch aufgrund ihrer Schock-Werte als diese bezeichnet. Egal ob das nun die „Freitag, der 13.“ Oder die Freddy-Filme (Nightmare Ort Elm Street - der Verf.) sind, ich finde das sind alles nur noch Komödien. Die erschrecken dich nur für eine Sekunde, mit Hilfe einer Effektszene, die du indem Moment so, oder so eben nicht erwartest. Es gibt nicht mehr sehr viele gute Horrorfilme. Vielleicht noch der erste „Alien“ - Ich war immer sehr an Special - FX interessiert, das wars auch warum ich irgendwann begonnen habe Horrorfilme anzuschauen. Doch heutzutage lebt diese Kategorie nur noch wegen der Effekte und das macht nicht unbedingt einen guten Horrorfilm aus... Du hast in einigen Filmen mitgespielt, welcher hat dir am besten gefallen? Allee-.„Ganz klar „Wayne’s World“. Das war cool, besonders, weil ich da ein Live-Stück spielen konnte, hahaha. Ursprünglich sollte ich für den Film nur einen Song abliefern und als ich dort mit dem Song ankam, haben die mir fünf Seiten Dialog überreicht. Sie sagten, es sei witziger, wenn ich auch noch ein paar Zeilen Dialog sprechen würde. Ich fand die Idee gut und habe mitgemacht. Das beste war noch, daß meine Band, von oben bis unten mit Tatoos übersät, alles über Milwaukee wusste. Die Geschichte, wann die Stadt gegründet wurde, woher der Name kam, das war echt lustig. Rock-Musiker sind halt doch intelligent, hahaha...“ Wie ist Penelope Spheeris gerade auf dich gekommen? Alice: „Ganz einfach ich habe vor Jahren schon einmal in einem ihrer Kultfilme mitgemacht, der hieß „The Metal Years“. Als es zum Casting kam, wollte sie jemand, der schon etwas Erfahrung hatte und somit viel die Wahl auf mich.“ Erfahrung mit Filmen hattest du ja genug durch John Carpenters „Prince Of Darkness“ und neben „Angriff der Killertomaten“, dem wohl schlechtesten Film aller Zeiten „Monster Dog“ Alice: „’Prince Of Darkness’ war sehr erschreckend für mich, da ich während des ganzen Films nicht ein Wort zu sagen hatte. Ich musste immer nur durch die Gegend starren. Dann habe ich in dem neuen Richard Donner-Film mitsam meinen Kindern mitgewirkt. Die Besetzung besteht aus Mel Gibson und Jodie Foster. Ich spiele einen Typen, der die ganze Zeit nur betrunken ist. Das war sehr komisch für mich denn ich habe bis zum Zeitpunkt dieser Rolle, aufgr nd meiner früheren Exzesse, schon elf Jahre keinen Alkohol mehr angefasst. Als ich bei ‚Monster Dog’ zusagte, habe ich gerade mit der Trinkerei aufgehört, ich wollte sehen, ob ich fähig war, ohne Alkohol ein ganz anderes Projekt durchzustehen. Mir wurde diese Rolle in Spanien angeboten und die Produzenten versprachen mir, daß der Film nirgends nur außerhalb Amerikas veröffentlicht werden würde. Aber was solls. Das war eine absolute Low Budget Produktion. Es hat Spaß gemacht diesen Film zu drehen und ich bin auch keineswegs verlegen darüber, denn genau diese Art von Filme leihe ich mir in den Videotheken immer aus. Das dürfen keine B-Movies sein. Im Gegenteil, ich achte immer sehr genau darauf, daß die Schauspieler auf dem Cover ausschließlich unbekannt sind. Also richtig, schlechte Filme sind. Richtiggehend C-Filme. Für mich sind diese Art von Filme oftmals die besten. Ich mag diesen Käse und ‚Monster Dog’ ist definitiv einer der käsigsten...“ Horst Odermatt DER LETZTE VERFÜHRER
Was haben Meat Loaf, Miss Piggy und Chris Cornell gemeinsam? Nein, nicht die Figur. Alle drei haben schon mit ALICE COOPER zusammengearbeitet! Der Erfinder des Horror-Rocks kehrt mit einem neuen Konzept-Album zurück. KERRANG!-Mitarbeiterin MARTINA WEITH quetschte den letzten Blutstropfen aus einem gewissen Mr Furnier... Spätsommer 1973. Die bluttriefende Überschrift auf der Bravo-Doppelseite war unmissverständlich: „Alice auf der Bühne geköpft!", und ich hatte keinen sehnlicheren Wunsch, als mir das Ganze livehaftig in der Essener Grugahalle anzuschauen. Doch da hatte ich die Rechnung ohne meine Mutter gemacht, die es so gar nicht einsah, ihre 13jährige Tochter alleine zur Splattershow zu lassen. Meine letzte Hoffnung war mein älterer Cousin, der als Aufpasser fungieren sollte, doch die Memme stand auf Pink Floyd... 21 Jahre später lacht sich der Master Of Horror schier darüber kaputt. Alice: „Pink Floyd, oh Gott. Weißt du, daß die mal einige Wochen in unserem Haus in Santa Monica gewohnt haben?“ Er rutscht aufgekratzt auf dem Sofa rum und schüttelt ob dieser Erinnerung immer noch amüsiert den Kopf. Alice: „Das war während ihrer ersten Tour, so in den Sechzigern glaube ich... Die Jungs hatten kein Geld, sich ne eigene Bleibe zu leisten, so luden wir sie ein.“ Die Konstellation „abgehobene Soundtüftler plus Rocker jenseits des guten Geschmacks unter einem Dach“ scheint auf den ersten Blick ziemlich bizarr. Alice: „Es war auch sehr strange. Syd Barett (damaliger Floyd -Sänger, der später vollends dem Wahnsinn zum Opfer fiel) war echt schräg drauf. Er hing immer nur am Küchentisch und stierte uns geistesabwesend an. Und die ganze Zeit habe ich ihn nicht ein Wort sprechen hören.“ Mr Coopers Lebensgeschichte ist voller AnekToten. Nach über einem Vierteljahrhundert im Rockbusiness hat man eben einiges durchgemacht - alle Höhen und Tiefen. Doch Alice will die alten Kamellen nicht mehr aufwärmen; es gibt viel zu viel über seine aktuellen Aktivitäten zu erzählen. Zu seinem neuesten Werk ‚The Last Temptation’ fiel ihm wieder einmal ein besonderer Gimmick ein: Das Konzept -Album begleitet ein Comic des Zeichners Neil Gaiman. Alice: „Alice mochte es schon immer, den Fans kleine Geschenke zu machen“, erläutert Mr Furnier die Beweggründe seines Alter Egos, von dem er immer in der dritten Person spricht. „So wie dieser große Billion Dollar-Schein in der ,...Babies'-LP. Doch heutzutage kannst du in diese albernen, kleinen CD – Hüllen nichts mehr reinpacken. Bei der Story von ‚The Last Temptation’ bot sich ein Comic einfach an. Er erläutert zusätzlich die Geschichte, die die Platte erzählt. Ich rief Neil an, weil ich seine Arbeiten in den ‚Sandman’-Ausgaben sehr schätze.“ Für die Story erweckte Alice einen alten Bekannten wieder zum Leben, nämlich Steven, Protagonist seines ‚75er Albums Welcome To My Nightmare’. Der Junge entdeckt in einem vergessenen Stadtteil ein Kuriositäten-Theater, in das ihn der ,Showman’, verkörpert durch die klassische Alice-Figur, einlädt. Alice: „In meinem ersten Konzept-Album kämpfte sich Steven durch einen Alptraum, etwas völlig Irreales, in dem alles passieren kann.“ Alice setzt sich aufrecht hin, um den Ernst des neuen Themas zu unterstreichen. Alice: „Die Herausforderungen und Verführungen, denen er in der neuen Geschichte ausgesetzt ist, sind viel wirklichkeitsnaher. Der Showman zeigt ihm unzählige Charactere, die in dem Theater leben, und jede Figur bietet Steven etwas anderes an: Geld, Ruhm, Macht, Sex ... Doch der Junge ist cleverer, als der Conferencier denkt. Er erkennt, daß all die Verführer eigentlich tot sind, richtige Zombies, und daß der Showman eigentlich nur eins will: seinen Tod und seine Seele! Die Geschichte endet nicht damit, daß er wohlbehalten zuhause ankommt, denn der Showman lebt in seinem Spiegel weiter - die Verführung wird ihn sein ganzes Leben begleiten. Worauf ich mit dieser Story hinauswill, ist folgendes: Egal, was man dir verspricht und in was für einer beschissenen Situation du auch steckst, letztendlich liegt dein Schicksal in deiner Hand. Du kannst immer versuchen auszubrechen und das Blatt zu wenden“ Also eine Art Moral, wie du sie schon auf ‚Hey Stoopid’ vertreten hast? Alice: „Ja, so in etwa. Wirf dein Leben nicht weg, du kannst etwas daraus machen!“ In diesem Zusammenhang kommen wir auf Kurt Cobains Freitod zu sprechen. Da gerät Mr Furnier richtig in Rage: Alice: „Ich finde es unmöglich, was die angesagten Bands heutzutage ihren Fans eintrichtern: Alles ist sinnlos, nichts hat mehr Wert, und das Leben schon gar nicht!“ Diese nihilistische Weltanschauung zu verbreitern, ist doch unverantwortlich. Wieviele Nirvana-Fans werden es Kurt jetzt nachmachen ? Als Star hast du deinen Fans gegenüber Verantwortung! Mich wundert es auch immer, wie viele Death Metal-Bands sich auf mich berufen. Denen kann ich nur sagen, ‚Hey Jungs, ich bin der Falsche!’. Horror ist für mich immer nur Comedy, einfach nur Ulk. Wenn Alice auf der Bühne stirbt. Dann kommt er immer wieder lebendig zurück. Es geht um Fun. Der Tod ist keine Alternative zum Leben! Man ist immer mal unzufrieden. Ich war heute früh wieder an
so einem Punkt, an dem mich alles ankotzte. Ich kam mit dem Flieger an, hatte Jetlag, und es war kein Eis in der Mini
-Bar. Ich hätte in die Luft gehen können. Doch dann schaute ich aus dem Fenster, und mein Blick fiel auf die Bauarbeiter
gegenüber. Da sagte ich mir. ,Lucky Alice, er muß nicht jeden morgen aufstehen und Steine klopfen...’. Nicht nur inhaltlich geht Alice mit The Last Temptation' einen Schritt zurück in die Vergangenheit, auch musikalisch erinnert vieles an alte Scheiben. Alice: „Richtig, ich habe bei mir selbst geklaut“, freut er sich wie ein kleiner Schuljunge. „Nahezu jeder der Songs hat sein altes Pendant.“ Mich erinnert ‚Lullaby’ sehr an ‚Welcome To My Nightmare’ und ‚It's Me’ an ‚Only Women Bleed’. „100 Punkte“, lacht der Meister. „Damit der Produzent gleich wußte, auf was ich musikalisch hinaus will, habe ich ihm die alten Stücke auf Tape mitgebracht. So konnte er gleich die Stimmung nachfühlen.“ Zwei Songs fallen etwas aus der Reihe, sind aggressiver, moderner... Alice: „Das sind die mit Chris Cornell.“ Die Zusammenarbeit kam auf kuriose Art und Weise zustande: „Bob Pfeifer, mein langjähriger A&R-Mann und alter Kumpel, kam mit einem Tape von Chris an und meinte: Hier, die Songs hat der Sänger von Soundgarden speziell für dich geschrieben. Er ist ein großer Fan von dir.“ Einer davon war ‚Unholy War’, und das paßte auf die Platte wie die Faust aufs Auge. Ich setzte mich also mit Chris in Verbindung. Er kam sofort vorbei und brachte noch einen Haufen andere Ideen mit. Daraus entstand ‚Stolen Prayer’. Wir bastelten nur acht Stunden daran rum. Chris ist zwar auch ein sehr junger Künstler, aber er hat eine gesunde, fröhliche Weltanschauung, die meiner nicht unähnlich ist. Auch er macht Musik hauptsächlich für sich selbst. Das ist es nämlich: „Egal, was du tust, es muß immer dir Spaß machen.“ Und alles, was versprach, spaßig zu werden, Alice war dabei: Er war einer der ersten Gaststars in der Muppet Show, Mitglied des Rocker-Baseball-Teams zugunsten einer kalifornischen Kinder-Krebs-Stiftung (zusammen mit Spinal Tap, Motley Crue, Warrant etc) und spielte in den Kinofilmen ‚Roadie’ und ‚Wayne's World’ - stets sich selbst. Alice: „Ich bin ein alberner Mensch und für jeden Quatsch zu haben. Den meisten Spaß hatte ich mit den Muppets und bei den Aufnahmen zu ‚Wayne’s World’; das war keine Arbeit, sondern eine Riesenblödelei.“ Der neueste Zelluloid-Ulk kam im Mai in amerikanische Kinos. „’Maverick’ ist eine Western- Parodie mit Mel Gibson und Jodie Foster. Ich spiele den Suffkopp der Stadt“, freut sich der Düster-Clown, „und das, obwohl ich seit elf Jahren keinen Tropfen mehr angerührt habe!“ Martina Weith
|
||||||||