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Angry Again
Metal Hammer 8, 1997

Die Generationenübergreifenden gemeinsamen Nenner im heftigen Rockbereich werden seltener. Was bleibt: das Kulturgut ALICE COOPER.

Die Formalitäten zuerst: Wie rede ich den Mann an? Jemanden, der seit knapp 30 Jahren - erst mit gleichnamiger Band, dann als Solo-Objekt der Inbegriff des Schock-Rockers ist. Der Mann ist weder mein noch dein Kumpel, also verkniff ich mir das Vincent beziehungsweise das im englischen nicht vorhandene du und blieb bei Alice Cooper, das öffentlich-rechtliche Alter-Ego.

Mr. Alice Cooper, als ich mich auf dieses Gespräch vorbereitete, fand ich zwei verschiedene
Geburtsdaten in Ihren Kurzbiographien. Sind Sie denn nun schon 50?
Alice Cooper: ”Nein, ich bin nicht 1945, sondern am 4.2.1948 geboren.”

Warum kommt gerade jetzt mit A FISTFUL OF ALICE das zweite richtige Livealbum heraus. Zwar weiß ich auch, daß der Vorgänger von 1977 THE ALICE COOPER SHOW kein Highlight war, aber...?
A.C.: ”Das Album wurde am Ende einer langen Tour aufgenommen, und die Band spielte sehr gut, nur ich war nicht mehr sonderlich gut drauf. Es war wohl der Höhepunkt meiner Alkoholsucht. Außerdem boten wir zu jener Zeit eine riesige Show, dagegen ist A FISTFUL OF ALICE Musik pur. Eingespielt in einem kleinen Club, fast wie zu Beginn unserer Karriere. Deshalb paßt es gut zu Alice in der heutigen Zeit. Es geht mehr denn je um die Musik.”

Alice Cooper hatte zwei kommerzielle Hochzeiten. Zunächst mal die 'School's Out'-Jahre Anfang der 70er, dann die 'Poison'-Phase Ende der 80er/Anfang der 90er. Doch was ist Ihr persönliches Lieblingsalbum. Meine sind FLUSH THE FASHION und DA DA.
A.C.: ”Es gibt in meiner Plattenkarriere vier Alben an die mich eigentlich nicht erinnern kann. Weder an die Aufnahmen, noch an irgend etwas anderes. Und das sind FLUSH THE FASHION, SPECIAL FORCES, ZIPPER CATCHES SKIN und DA DA."

Dies ist genau meine Lieblings-Alice Cooper-Phase.
A.C.: “Das war meine Blackout-Phase. Wenn ich heute eines dieser Alben höre, denke ich oft: Das ist wirklich gut, nur: Ich kann mich nicht daran erinnern, irgend einen Song dafür geschrieben zu haben.”

Aber was ist nun Ihr Lieblingsalbum?
A.C.: ”Das ist so, als würde man mich nach meinen Lieblingskind befragen. Die eben angesprochenen Alben sind vor allem von der textlichen Seite her herausragend. Manchmal bringt man seine beste Arbeit, wenn man persönlich vollkommen am Ende ist. Die Scheibe, die Alice Cooper wohl am besten repräsentiert, ist LOVE IT TO DEATH.”

Denken Sie, daß es für Sie nochmals zu einem dritten kommerziellen Frühling kommen wird?
A.C.: ”Das Rock'n'Roll-Geschäft ist unberechenbar. Nur schaue ich lieber auf 25 Alben zurück, für die ich mich nicht zu schämen brauche, als 25 Nummer Eins-Hits gehabt zu haben. Ich habe finanziell ausgesorgt, damit kann ich so etwas leicht sagen, aber dieses war immer meine Maxime.”

Die bisherigen Erfolgsgeschichten standen im Gegensatz zu manch anderen Cooper-Alben immer im Dunstkreis von Hardrock und Heavy Metal. Ist Alice Cooper wirklich ein Hardrocker?
A.C.: ”Ich kann davor nicht fliehen. Ich bin Hardrocker. Es fällt mir einfach, solche Stücke zu machen. CONSTRICTOR und RAISE YOUR FIST AND YELL waren gar richtig metallisch. Ich weiß nicht, ob ich noch einmal ein gesamtes Album in dieser Art machen wollte. Ein Album muß für mich dynamisch sein, verschiedene Gefühle ausdrücken. Wenn eine Band wie Pantera auf einem Album immer das gleiche Kaliber auffährt, ist es okay, aber mir persönlich würde etwas fehlen.”

Die obligatorische Frage: Was Alice Cooper in den 70ern war, sind Marilyn Manson in den 90ern, oder?
A.C.: ”Es ist heute wesentlich schwieriger, die Leute zu schocken. Und ich bin froh, daß ich seit einiger Zeit damit aufgehört habe. Ich finde, ein Künstler sollte sein Publikum unterhalten und zum Denken anregen. Manchmal muß man dafür schocken, manchmal etwas Schönes anbieten. Nur zu schocken ist eindimensional und in unserer heutigen Zeit ein hartes Brot. Zu Marilyn Manson: Sie sind einfach den nächsten Schritt gegangen. Mehr ist dazu nicht zu sagen.”

Welche Ihrer Songtexte halten Sie für gelungen?
A.C.: ”Stolz bin ich auf den Text von 'Generation Landslide'. Vielleicht der beste Alice Cooper-Song überhaupt. Clever sind auch die Texte von ZIPPER CATCHES SKIN oder 'Aspirin Damage' von FLUSH THE FASHION. Die Songtexte waren und sind meine Leidenschaft.”

Was wird zuerst geschrieben, Text oder Musik?
A.C.: ”Die Texte sind die Sahne auf dem Kuchen. Also muß man den Kuchen erst einmal backen. Musikalisch versuche ich so gut zu sein wie Ozzy Osbourne oder Led Zeppelin. Dazu brauche ich gute Musiker, Klasse-Gitarristen, die mit mir und den Produzenten an der Musik feilen. Erst danach kommt mein Part. Da gebe ich dem Ganzen meinen persönlichen Stempel. Zur Zeit proben wir in London für die Tour, da geht es acht Stunden am Tag nur um die Musik. Keine Show, keine Effekte, keine Texte. Das kommt später.”

Haben Sie eine Zukunftsvision für die USA?
A.C.: ”Die USA waren und sind immer so groß wie das Monster von Frankenstein. Auf der einen Seite fürchterlich und häßlich, andererseits eine großartige Leistung. Dieses Land ist eine Art Gesamtkunstwerk, welches immer noch nicht fertig geworden ist. Es ist ein Land voller Widersprüche, modernste Technik trifft auf rückständigstes Gedankengut. Es ist zum Fürchten, aber manchmal auch wunderschön. Man wird auch in Zukunft hier leben können, da bin ich Optimist.”

Was macht Alice Cooper in zehn Jahren?
A.C.: ”Er promotet ein gutes neues Album.”

Wurden Sie jemals verhaftet?
A.C.: ”Einmal in Australien, von der Bühne weg. Ich weiß gar nicht mehr, warum. Und sonst, nein, ich glaube nicht. Ich bin ganz gut weggekommen.”

Was machen Sie mit all Ihrem Geld? Gibt es Ihren Club in L.A. noch?
A.C.: ”Shep Gordon ist seit fast 30 Jahren mein Manager, der alle Geldgeschäfte regelt. So bin ich beteiligt an Restaurants und Clubs auf der ganzen Welt.”

Was ist Ihr derzeitiger musikalischer Favorit?
A.C.: ”Seit meine Tochter, die gerade 16 geworden ist, mich zu Konzerten mitschleppt, sehe ich
mehr Bands als je zuvor. Sogar No Doubt fand ich live nicht übel. Nicht ganz mein Fall musikalisch, aber interessant. Live sind wirklich clever. Selbst Bush haben auf der Bühne ihre Qualitäten. Ansonsten mag ich ein paar lokale Bands aus Arizona.”

Letzte Frage. Spielen Sie Schach? Wenn ja, fordert der HAMMER Sie zu einem Spiel heraus.
A.C.: ”Okay, der Gewinner darf dem Verlierer einen Finger abhacken.”

Ich dachte, die Schocker-Zeit wäre vorbei. Aber wir werden sehen, ob es dazu kommt.


MICHAEL LORANT


ÜBERZEUGUNGS-TÄTER
Metal Hammer 6, 1999

Er gilt als der Prototyp des Schock-Rockers, der Generationen von Berufskollegen - angefangen bei Kiss und aufgehört bei Marilyn Manson - beeinflußt(e): VINCENT DAMON FURNIER alias ALICE COOPER.

Mitte der 60er als Mitglied einer College-Band schon recht früh dem Rock'n'Roll frönend, schuf der damalige Kunststudent Vincent Damon Furnier schon frühzeitig die Kunstfigur Alice Cooper (ein amerikanischer Allerweltsname) und setzte mit seinen Bühnenshows knallhart auf Schock und Horror. Nun zieht 'The Coop' der von der von ihm erschaffenen Kreatur stets in der dritten Person spricht, Bilanz: Das 4-CD-Box-Set THE LIFE & CRIMES OF ALICE COOPER reflektiert eine ein Vierteljahrhundert umfassende Musikerkarriere.

Dein letztes reguläres Album THE LAST TEMPTATION ist vor nunmehr fünf Jahren erschienen. Sieht aus, als wäre 'The Coop' faul geworden?
A.C.: ”Ich habe noch nie Alben heraugebracht, nur damit ich schnell irgendwas veröffentliche. Das machen schon zu viele andere Bands. Mir kommt es darauf an, wieder eine interessante Story zu haben, so daß Alice Cooper-Alben ihrem Anspruch, etwas Besonderes darzustellen, gerecht werden.”

Ist es problematisch für dich geworden, ein interessantes Konzept zu finden?
A.C.: ”Das Konzept ist weniger das Problem als vielmehr der Umstand, daß die Storyline stimmig
sein muß. Es funktioniert ja nicht so, daß ich einfach wahllos zwölf Songs einspiele - und das
war's dann! Musik und Inhalt müssen perfekt harmonieren.”

In der Vergangenheit kamen viel Live-, Tribute to...- und Best of Alice Cooper-Alben heraus. Ausverkauf?
A.C.: “Witzigerweise bin ich an den Sachen nicht beteiligt Ich habe ja nicht einmal mitproduziert! Allerdings finde ich es reizvoll zu hören, wie meinetwegen Roger Daltrey oder Def Leppard meine Klassiker interpretieren. Was wiederum FISTFUL OF ALICE (1997 bei der EMI erschienener Konzertmitschnitt - Anm.d.A) betrifft: Wir hatten unser letztes Livealbum 1977 eingespielt. Generell halte ich Livealben für wichtig, damit dein Publikum hört, was den Künstler in der Konzerthalle ausmacht. Das kann durchaus zum besseren Verständnis des musikalischen Schaffens beitragen. Und wir haben zur damaligen Zeit - in der Ära des Grunge- und Alternative-Booms - bewiesen, daß Alice Cooper immer noch eine hervorragende Rockband ist. Deswegen nahmen wir jene Scheibe in einem kleinen Club mit intimen Flair auf, und nicht in einer 30.000er Arena, wo jegliche persönliche Bindung zum Publikum nahezu unmöglich sind.”

Warum kommt gerade jetzt die 4-CD-Box THE LIFE & CRIMES OF ALICE COOPER heraus?
A.C.: ”Jede große Band stellt in der Regel Compilations zusammen, die eine Art akustische History darstellen. Ich habe bisher 25 Alben herausgebracht. Und ich dachte, es wäre vernünftiger, eine vier oder fünf CDs umfassende Box mit größtenteils unveröffentlichtem Material zu basteln, anstatt einfach den gesamten Backkatalog wieder auf den Markt zu schmeißen. Außerdem sind da Songs drauf, die in erster Linie MIR gefallen und die nie im Radio gespielt wurden. Die Kids von heute kennen diese Songs nicht! Klar, daß ich meine Smash-Hits nicht vernachlässigen darf, aber das Hauptaugenmerk war auf das Ungewöhnliche gerichtet. Es hat mich fünf Jahre harter Arbeit, Recherche und Verhandlungen gekostet, dieses zum Teil exklusive Material zusammenzubekommen. Ein Alptraum! Alice Cooper's Nightmare! Die einen Herrschaften saßen auf ihren Rechten, die anderen fanden nicht die entsprechenden Bänder...”

Einige frühe Sachen dieser vier CDs - zum Beispiel 'Hitch Hike' - stammen aus dem Jahre 1965!
A.C.: ”Da besuchte ich noch die Schule. Wir spielten jeden nur erdenklichen Rolling Stones-Song nach, um unsere Fähigkeiten autodidaktisch zu vervollkommnen. Einige Stücke klingen so dermaßen kultig, daß ich mich selbst frage: 'Oh Mann! Waren das noch Zeiten!?' Aber das ist ein Teil meiner Geschichte. 'Hitch Hike' ist ungefähr das zehnte Stück, das wir erlernten. Ich war damals 15 oder 16 Jahre alt!”

In den frühen 70ern sorgtest du mit deinem Bad Boy-Image für Furore. Kalkulierte Absicht - oder Zufall?
A.C.: ”Wir waren von Anfang an eine theatralisch ausgerichtete Band. Natürlich passieren dann zwangsläufig einige Vorfälle, die das Image potenzieren. Besonders zur damaligen Zeit: Die Woodstock-Generation stand noch unter dem Eindruck dieser ,Make peace - not war!'-Idee. Und wenn dann ein Alice Cooper mit seinem 'Clockwork Orange' -Schock-Konzept alles andere als brav daher kommt, sorgt das logischerweise für Irritationen. Automatisch entstehen Gerüchte..."

Wie jenes, du hättest 1971 während eines Festivals in Toronto auf der Bühne ein Huhn getötet?
A.C.: ”Ja, genau das war so eine Geschichte..." (Während der Show warf jemand aus dem Auditorium ein lebendiges Huhn auf die Bühne. Der im Umgang mit Tieren ungeübte Alice Cooper scheuchte es zurück - wo es dann vom Publikum zerissen wurde - Anm.d.A.)

Was hältst du von Marilyn Manson?
A.C.: “Ich habe ihn nie gesehen. Zwischen ihm und Alice Cooper bestehen zweifellos Parallelen in Sachen Image und Konzept. Musikalisch liegen zwischen uns Welten: Alice Cooper ist eine Rock'n'Roll-Band, Marilyn Manson eher eine Industrial-Combo mit Trent Raznor- und Rob Zombie-Einflüssen. Wobei Rob natürlich entschieden besser aussieht, haha!”

Hältst du Mansons Image für ein Cooper-Rip Off?
A.C.: ”Er hat sicherlich einige Ideen von mir adaptiert. Vielleicht ist die Zeit reif für einen neuen Alice Cooper der 90er Jahre. Jeder hat das Recht und die Freiheit, zu tun oder zu lassen, was er will oder nicht will. Und ich würde ihn auch nicht so sehr mit Alice vergleichen, denn jeder von uns zieht sein eigenes Ding durch.”

Wenn du sagst, die Zeit sei möglicherweise reif für einen neuen, modernen Alice Cooper - bedeutet dies, daß deine Botschaft verkündet ist und du dem Publikum der Jahrtausendwende nichs mehr vermitteln kannst?
A.C.: ”Nein! Alice Cooper ist eine klassische, zeitlose Figur. Aber mal ehrlich: Wäre es nicht albern, wenn ich so tun würde, als könnte ich heute 15jährigen Kids aus der Seele sprechen und ihre in dieser Zeit verwurzelten Schwierigkeiten verstehen? Ich bin schon lange nicht mehr ein sogenannter 'Teenage Rebel'! Marilyn zwar auch nicht, aber für ihn sind all die Probleme mit der Pubertät nicht so weit weg wie für mich. Und wer heute zu Alice Cooper-Konzerten geht, geht dort hin, um eine echte Show zu sehen. Meine Aufgabe sehe ich darin, das Publikum zu unterhalten, nicht es belehren oder ihm aus der Seele sprechen zu müssen.”

Würdest du mir zustimmen, wenn ich behaupte, Alice Cooper ist eine theatralische Band, während Marilyn Manson lediglich eine gewisse Attitude verkörpert?
A.C.: ”Auch nicht! Ich behaupte sogar, daß der Alice Cooper auf der Bühne dreimal soviel Attitüde und Persönlichkeit ausstrahlt wie Marilyn Manson, allerdings in einer anderen Weise!”

Und zwar?
A.C.: ”Alice Cooper is a creature of itself! Auf der Bühne siehst du in unserer Show verschiedene Dinge. Manson versucht hingegen, in seiner Show Alice Cooper nachzuempfinden. Für mich ist das interessant und legitim zugleich, zumal sich beide Figuren hinsichtlich ihrer musikalischen Ausdrucksweise gravierend unterscheiden. Außerdem legt es Marilyn Manson offen darauf an, ein Opfer der Zensur zu werden. Das ist, im Gegensatz zu Alice Cooper, ein Teil seines Images.”

Wie siehst du generell das Verhältnis von Kunst und Zensur?
A.C.: ”In unserer Verfassung wird jedem Bürger das Recht garantiert, seine Meinung frei äußern zu können. Umgekehrt ist dieser Bürger dann auch verantwortlich für das, was er sagt. Selbiges gilt für Künstler. Wenn ich provoziere, sollte es einen Grund dafür geben, denn ich bin in jedem Fall verantwortliche für die daraus resultierende Kontroverse. Ich kann hinterher nicht so tun, als ginge mich das alles nichts an! Insofern gibt es sogar eine gewisse Haftung für das, was ein Lyriker in seinen Texten sagt.”

Ist Provokation noch ein maßgeblicher Bestandteil deines Konzeptes?
A.C.: ”Ein Künstler muß immer provokant sein. Wenn er aufhört, die Gesellschaft herauszufordern, ist er geistig tot. Auch wir fordern mit unseren Shows ständig das System heraus und versuchen, mit unseren Texten den Zuhörer zum Nachdenken zu animieren.”

25 Jahre im Geschäft: Was hat sich zum Guten, was zum Schlechten geändert?
A.C.: ”Das Schlimmste ist, daß viele Bands inzwischen zuerst zuviel über das Geschäftliche und das Geld nachdenken. Zu meiner Zeit war Rock'n'Roll noch gleichbedeutend mit Spaß. Jetzt hat der Spaß aufgehört und mutierte mehr denn je zum knallharten Business. Zum Guten hingegen hat sich der technische Aspekt entwickelt: Es gibt besseres Equipment, dadurch bessere Sounds... Allerdings glaube ich nicht, daß sich Rock'n'Roll an sich sehr viel verändert hat: Wenn ich mir jetzt viele neue Bands anhöre, komme ich eigentlich zum Schluß, daß sie größtenteils ein Spiegelbild dessen sind, was damals in den 70er und 80er Jahren passierte. Wobei es sowieso schwer ist, etwas Neues zu kreieren: Jede Note, jeder Akkord wurden bereits gespielt. Heute stellt sich nur die Frage, wie du diese Note oder diesen Akkord neu interpretierst. Daher finde ich es schade, daß sich viele Newcomer-Bands nicht zuerst über ihre Musik definieren. Sie fragen sich statt dessen: Welche Musik muß ich machen, damit ich möglichst viele Platten verkaufen und somit möglichst viel Geld machen kann? Kunst darf nicht durch das Geld beeinflußt werden. Sicherlich gibt es diese Dialektik zwischen Kunst und Geld zum Überleben. Aber die Waage darf auf keinen Fall zu Ungunsten der Kunst ausschlagen.”

Doch Geld regiert nun mal die Welt!
A.C.: ”Es kommt darauf an, wie du das Geld einsetzt. Als wir anfingen, ordentlich zu verdienen, steckten wir den Gewinn in unsere Produktion und Show. Wir hingen nie in den Clubs ab und verplemperten unser Geld.”

Deine aktuelle Alice Cooper-Rock'n'Roll-Karneval-Show ähnelt verdammt dem Kiss-Rock'n'-Roll-Circus...
A.C.: ”Sie haben es sich von mir abgeguckt! Ich bin mit einem Karneval schon seit drei Jahren unterwegs - und plötzlich machen Kiss 'nen Zirkus! Also: Wer kopiert hier wen? Aber so war das schon immer: Das einzige, was Kiss gut konnten, war, mir etwas nachzumachen. Das geht mit dem Make-Up los und hört heute mit dem Zirkus auf... Ich habe mich damals gefragt: Wenn Alice Cooper einen Karneval veranstalten würde - wie könnte das aussehen? Unsere Roadies verkleiden sich zum Beispiel als Clowns. Überhaupt wird es diverse Kostümwechsel geben. Eine pitoreske Show, die etwa eine Stunde und 45 Minuten dauern wird und eine kompakte Einheit aus Show und Musik abgibt.”

Deine Zukunftspläne?
A.C.: ”Wir reflektieren mit THE LIFE & CRIMES OF ALICE COOPER unsere ersten 25 Alben. Nach unseren zweiten 25 Alben werde ich wieder ein Box-Set zusammenstellen!”

Das heißt, wir werden dich noch mindestens ein weiteres Vierteljahrhundert auf der Bühne sehen?
A.C.: ”,Mindestens!”

Keine Angst, dabei von der Bühne zu kippen?
A.C.: ”Eher werde ich von der Erde fallen!”

ANDREAS SCHÖWE

 

 


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