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Alice Cooper: Satanskult ist nichts für mich Bravo, 1991
BRAVO: Alice Cooper - nennt dich eigentlich noch irgendwer bei deinem richtigen Vornamen Vincent?
Alice Cooper: Keine Menschenseele. Nicht einmal meine eigene Mutter! Selbst die sagt 'Alice' zu mir. Es könnte vielleicht sein, wenn ich mal nach über 20 Jahren einen Schulkameraden aus der Highschool wiedertreffe, daß der 'Vince' oder 'Vinnie' zu mir sagt...
BRAVO: Und wer ist nun dieser 'Alice' auf der Bühne, verglichen zu dem 'Alice', mit dem ich jetzt spreche?
Alice: Das ist die andere Hälfte von mir, eine völlig andere Person, die ich geschaffen habe, mein Alter Ego. Zu meinem
Vergnügen und zum Spaß meiner Fans. Was jenen 'Alice' und mich angeht, so bin ich sicher eine gespaltene Persönlichkeit
. Schizophren, wenn man es genau nimmt. Übrigens genau so wie Mick Jagger oder AxI Rose, die ich beide privat gut kenne. Die werden auf der Bühne auch zu gänzlich anderen Menschen.
BRAVO: Wie bist du denn auf das Horror-Image gekommen? Alice: Das liegt wohl tief in mir drin. Ich liebe Horror-Filme, habe ja selbst schon in welchen mitgespielt (z.B. in 'Prince of
Darkness' oder als Vater von Freddy Krueger in 'Nightmare on Elm Street - the final Nightmare'). Immer, wenn ich on
Tour bin, habe ich einen Videorecorder und einen Koffer mit 50 bis 60 Grusel-Filmen dabei. Aus denen schöpfe ich
gelegentlich auch neue Ideen für meine Shows, die ja ein einziger Horror-Trip sind. Ich will meine Fans immer wieder aufs Neue schocken, nicht mit alten Gags langweilen. Das ist gar nicht so einfach, sag' ich dir.
BRAVO: Wie ist denn Alice, der Privatmann, drauf? Alice: In den durchschnittlich sechs Monaten, die ich nach zehn Monaten Studio und Konzerttour als Erholungspause
einlege, bin ich ein sehr privater Privatmann, Ehemann seit 15 Jahren und Vater von zwei wunderbaren Kindern. Ich
wohne in Arizona, auf einer Ranch in der Nähe von Scottsdale. lch spiele leidenschaftlich gern mit meinen Kindern, treibe
mich in der Wüste von Arizona rum, schieße zum Spaß auf Blechbüchsen und Flaschen. Natürlich nur im Freien, wo es keinen in Gefahr bringt.
BRAVO: Wie alt sind deine beiden Kinder heute und wie heißen sie? Alice: Mein Junge heißt Dashiell und ist sechs, meine Tochter Calico ist zehn Jahre alt.
BRAVO: Haben sie ihren Vater schon auf der Bühne gesehen? Wie finden sie denn deine verrückte Show?
Alice: Die beiden stehen total auf mich, ehrlich! Sie hören sich sogar meine Platten an. Natürlich habe ich sie schon zu
meinen Konzerten mitgenommen. Aber selbst wenn ich das nicht getan hätte, wüßten sie, was ich so auf der Bühne treibe - schließlich glotzen sie ja auch MTV, wo meine Videos täglich zu sehen sind. Die wissen genau Bescheid.
BRAVO: Haben sie keine Angst vor ihrem verrückten Vater? Alice: Keine Spur! Die wissen doch, daß alles was ich da mache, nur Jux ist. Immerhin: Ich mache ja diesen Satans
-Quatsch nicht mit. Bei mir gibt es keine umgedrehten Kreuze oder Pentagramme wie bei vielen jungen Death-Metal-Bands. Darauf steh' ich überhaupt nicht.
BBAVO: Dein Vater soll empört darüber gewesen sein, daß du dich damals 'Alice' nanntest und diesen 'Grusel'-Rock fabrizierst...
Alice: Absoluter Unsinn! Das behaupten die Leute nur, weil mein Vater ein gläubiger Evangelist war und sie sich nicht
vorstellen konnten, daß er das billigte, was ich tue. Mein Vater, der nun schon eine Weile tot ist, schärfte mir nur immer
wieder ein, daß ich die Dinge auseinanderhalten müsse - den Grusel-Rock und mein persönliches Leben. So lange ich die beiden Dinge trennen könne, meinte er, sei ein 'verrückter Alice' ganz prima.
BRAVO: Ungewöhnlich für einen Geistlichen, oder? Alice: Nicht, wenn man meinen Vater kannte. Wenn man zu Ihm "Jesaiah, Kapitel 3, Vers 15" sagte, dann zitierte er den
Bibeltext, wie aus der Pistole geschossen. Und wenn man ihn fragte, wer bei Aerosmith den Baß zupft, wußte er genau so gut Bescheid. Der kannte sich im Rock'n'Roll bestens aus...
BRAVO: Und deine Frau? Wie steht sie zu deinem zweiten Ich? Alice: Sheryl? Die war doch In meiner Show "Welcome to my Nightmare"! Da spielte sie sechs verschiedene Rollen auf
der Bühne! Sheryl ist Tänzerin, Choreographin und ausgebildete Ballett-Tänzerin. Sie gibt heute Ballett-Unterricht in Arizona. Sheryl hat damals - vor 15 Jahren - uns beide geheiratet mich und 'Alice'!
BRAVO: Wenn du Pause machst und zu Hause bist, gehst du dann auch mal zu Konzerten?
Alice: (lacht schallend): Ich werd' mich hüten. Ich bin doch nicht bekloppt! Was soll ich da? Höchstens wenn ein Freund aus der Rock'n'Roll-Szene mal in Arizona spielt.
BRAVO: Hast du Hobbys? Alice: Jede Menge. Ich reise sehr viel mit Sheryl und den Kindern. Manchmal halte ich mich mit meiner Familie vier bis
sechs Wochen auf Hawaii auf, um abzuschalten. Außerdem bin ich ein Autonarr. Ich steh'auf diese alten Powerschlitten,
kaufe alte Ford Mustangs, Cobras oder Barracudas und möble sie mit stärkeren Motoren auf, Dann verkaufe ich sie mit Profit - macht Spaß!
BRAVO: Kannst du dich In Arizona auf der Straße sehen lassen, ohne daß dich die Leute erkennen?
Alice: Bei uns in Arizona kennt mich jeder und weiß, wer ich bin. Das belästigt mich überhaupt nicht - im Gegenteil. Die
Leute erkennen mich im Kino, im Supermarkt, ob ich eine Riesensonnenbrille oder 'ne Basaball-Kappe trage. Und dann kriegt jeder sein Autogramm.
BRAVO: Du hat doch auf der Bühne immer so eine Riesenschlange dabei. Wird es Ihr nicht langsam
langweilig? Es sind ja immerhin schon über 20 Jahre, die du aktiv bist. Und 'Hey Stoopid' ist deine 21. LP!
Alice: (grinst verschmitzt) Es ist ja beileibe nicht immer dieselbe Schlange, sondern jedesmal eine andere. Ich leihe mir die Schlangen für jede Tour von einem Spezialunternehmen für 'Bühnentiere' aus.
Diesmal ist es eine Python namens 'Sidney', ein ganz liebes Tier übrigens. Die guckt mich während der Show oft fragend an, als wollte sie sagen: "Was soll der ganze Zirkus eigentlich?"
Aber dann beäugt sie ganz scharf die Girls in der ersten Reihe, um die hübschesten herauszufinden - genau wie ich.
BRAVO: Alice, du hattest doch mal erhebliche Probleme mit dem Alkohol, 1982, so heißt es, hättest du für immer den Korken In die Flasche gesteckt.
Alice: Meine Alkoholsucht ist ja kein Geheimnis. Ich war total dem Whisky verfallen. Als Ich noch süchtig war, hätte ich
nicht drei Worte mit dir reden können, ohne einen kräftigen Schluck aus der Whiskyflasche zu nehmen. Ich konnte ohne den Sprit nicht leben. Daß ich davon losgekommen bin, ist das Beste, was mir je passiert ist.
BRAVO: Wie geht's dir heute? Alice: Prima. Seit neun Jahren habe ich keinen Tropfen Alkohol getrunken. Es geht mir blendend. All die Kraft und
Ausdauer, die ich als 25jähriger hatte, habe ich zurückgewonnen. Ich habe wieder mit dem Sport begonnen, der mir in der
Highschool am meisten Spaß machte: Langstreckenlauf. Die zwei oder drei Meilen laufe ich heute - als 43jähriger - wieder in guten Zeiten.
BRAVO: Wie lange willst du den Alice noch am Leben halten? Alice: Noch lange! Alice kommt bei jeder neuen Show entweder aus dem Grab empor, oder er wird tiefgefroren (lacht).
Meine Fans sollen noch lange Spaß an mir haben. So lange ich noch laufen kann, so lange ich noch eine Stimme habe, so lange wird es auch Alice Cooper geben. Also noch 'ne ganze Weile.
Das Interview führte der damalige Bravo-Korrespondent Ralf Brunkow (siehe Bild oben) in Philadelphia, USA.
Hallo Hornochse! Metal Hammer, Heft 6 1991
Der Mann hat alles hinter sich. Er war der Prototyp des Schock-Rockers, dem es zu verdanken ist, daß Kiss sich Plateaumonster an die Haxen hängten anstatt in Turnschuhen über die Bretter zu federn; er weiß, daß ohne ihn mit
Sicherheil etliche Tonnen Nackenkoteletts gemütlich auf Schrebergartengrills gelandet waren, anstelle Blackie Lawless als
bluttriefende Grußkarten in Richtung Publikum zu dienen. Aber auch Alice Cooper hatte seinen Karriereknick; als Golfpartner der früheren Todfeinde, als Scherge von König Alkohol, völlig unter den Rädern der damals grassierenden
Discoepidemie, erlebte der Superstar des Schauer-Rocks seinen Untergang. Nachtkreaturen haben jedoch mehr als nur
ein Leben, und so macht Onkel Alice nach einer Rückbesinnung auf seine eigentlichen Qualitäten der Rockwelt nun bereits
seit fünf Jahren wieder die Hölle heiß - und erzielte mit der letzten Veröffentlichung TRASH gar Verkaufserfolge die zuletzt vor achtzehn Jahren seine BILLION DOLLAR BABIES verbuchen konnten.
Wer sich im Frühjahr '91 im durchgeknallten Los Angeles befindet und zur Riege der wirklich angesagten Mega-Mucker
zählt, hat in diesen Tagen nur ein Gesprächsthema: Alice ist in der Stadt. Und es ist längst zu einer Art Erfolgsbarometer
geraten, vom großen Meister in's Studio gepfiffen zu werden, um dem Fürsten der Finsternis eine Faustvoll Licks zu
kredenzen. HEY STOOPID lautet der Titel des neuen Cooper-Machwerkes, und liest man die bis dato aus Slash, Nikki Sixx, Mick Mars, Ozzy Osbourne, Rob Halford und Steve Vai bestehende Liste der prominenten Wasserträger wird klar,
wie gern das Rock-Who's Who seinen Namen auf einer Scheibe des alten Idols sieht.
Auch heute ist das nicht anders: Alice albert gerade bei einer gemeinsamen Fotosession mit Fossil Nr.2, Lemmy, herum -
der übrigens NICHT auf der Platte gespielt hat - als sich die Tür öffnet und ein zerzauster Joe Satriani in den Raum
schlendert, die hochglanzpolierte Sechssaitige spielbereit unter'm Arm. In Amerika mag der flinke Joe auf den Brettern, die
viel Geld bedeuten, Shows in Arenadimensionen headlinen - dies hier ist jedoch das Reich des Coop; und da macht sich auch das Vorbild wieder gern zum Büttel.
Was Satriani kurze Zeit später an Tricks und Filigranläufen abläßt, ist von bekannter, gefühlsbetonter Qualität. Dem
Halswringer ist heute jedoch anscheinend nichts gut genug, verbissen versucht er, dem von Cooper's Band gesetzten
Standard noch eins draufzusetzen und schraubt immer schwindelerregendere Leads aus seinem Instrument. Was da ein
ums andere Mal vom Band zentnert, hängt die Marke allerdings höher als den meisten Studiogitarristen lieb wäre: 'Burning
Our Bed' heißt die starke Komposition, die einer Mutation des TRASH-Hits 'Only My Heart Talkin" gleichkommt und schon vor Veröffentlichung blind das Prädikat 'Top 10 Hit' verdient.
LAKENBRAND ,,'Burning Our Bed' beschreibt eine höchst skurille Situation." erklärt Alice später in der anheimelnden Atmosphäre der
Studioküche, wo er sich gerade mit den Resten einer Peperoni-Pizza die Magenwände tapeziert. ,,Ein Typ trennt sich von
seiner Frau und vollzieht einen letzten großen Akt: Er verbrennt das ehemals gemeinsame Bett, alle Gerüche und Erinnerungen, die mit diesem Möbelstück zusammenhängen. Ich hatte früher diverse Male in ähnlichen Lebenslagen das
dringende Verlangen danach, einfach eine Ladung Kerosin über die Daunen zu kippen und - WUMM! Letztendlich habe
ich's dann aber doch immer gelassen, was jetzt das Bedürfnis in mir geweckt hat, zusammen mit Al Pitrelli, Bob Pfeiffer und Steve West von DANGER DANGER einen Song darüber zu schreiben."
SCHOCKPOP TRASH trug die eindeutige Handschrift der personifizierten Hitfabrik Desmond Child. Das soll allerdings eine einmalige
Angelegenheit bleiben, wie Alice versichert: ,,TRASH war perfekt, wenn ich das Album heute noch einmal aufnehmen
müßte, wüßte ich nicht, was ich besser machen könnte - aber ich wollte es nicht übertreiben! Desmond ist ein Klassetyp,
ich möchte jedoch nicht den Eindruck erwecken, daß ich von irgend jemandem abhängig bin. Deshalb habe ich für HEY STOOPID Peter Collins als Produzenten gewählt, und es gibt nur zwei Songs vom Team Cooper/Child. Eine Nummer
habe ich zusammen mit Nikki Sixx geschrieben, fünf andere mit Jack Ponti." Wer sich an die Kompositionen von Ponti für
z.B. Bon Jovi erinnert, muß Cooper unwillkürlich weiter in poppigeren Gefilden schocken sehen, denn auch der gute Jack
ist bekanntlich immer für einen schmissigen Singalong zu haben. Doch weit gefehlt - beim Abhören des Titelsongs oder der
Midtempo-Nummer 'Love's A Loaded Gun' wird schnell klar, daß der Hitschreiber seine Hausaufgaben in Sachen 'Alice
Cooper - The Early Years' sorgfältig gemacht hat. Zwar brennen sich die Refrains der HEY STOOPID-Songs mit napalm
-mäßiger Penetranz in's Ohr; jeder Song besitzt für sich aber das unverkennbare Alptraum-Alice-Feeling der frühen siebziger Jahre, Was dem Hauptakteur übrigens auch schon auffiel:
,,Jack ist ein alter Alice Cooper-Fan. Er hat sich den Stil der alten Kompositionen noch mal richtig drauf geschafft, um ein Konglomerat zwischen modernen Sounds und dem, wofür Alice Cooper früher stand, zu schaffen. Ich habe
herausgefunden, daß Alice die Charfs nicht braucht. Ich orientiere mich nicht an ihnen; auch 'Poison' war eigentlich nicht
für irgendwelche Hitparaden geschrieben. Oder sieh dir 'Oniy Women Bleed', 'Elected' und 'School's Out' an - alles Hits,
aber kein vordergründiger Charts-Kram. Solange Alice Alice bleibt, verkaufen sich die Songs über seine Person; jeder Trend kann ihn sonstwo..."
KRÖTENSCHUTZ Besonders stolz ist der welke Barde auf den Song 'Hey Stoopid' selbst. Als Refrain dient ein Schlachtruf, der so simpel
wie genial daherröhrt und die Westkurven im Sturm nehmen wird. ,,Ich habe mich immer dagegen gewehrt, Songs zum Schutz von Walen und Bäumen zu singen, weil es für diese Themen kompetentere Leute gibt. Das Image des Mr.
Umweltschulz würde mir keiner abkaufen, oder glaubst du, daß mich irgendein Kid als Schutzpatron bedrohter Krötenarten ernstnähme? Die Zahl der Teenagerselbstmorde steigt; ein solches Problem ist viel eher mein Ding.
Wenn ich jemanden sagen hören würde, daß er sich umbringen will, würde ich entgegnen:'Hey du Hornochse, was soll der
Scheiß?' Ich würde nicht meinen Finger heben und sie schulmeistern, denn das können die Kids auch zuhause haben. Ich
will mit ihnen in ihrer Sprache sprechen, auf einem Straßenlevel. Genau das passiert in diesem Song und ich habe einen
echten Outlaw-Chor, der mich dabei unterstützt: Ozzy und Rob Halford, beides Leute, denen der Mord an Jugendlichen
durch Musik bereits vorgeworfen wurde, singen die Backings. Ich glaube nicht, daß sich schon mal irgendjemand wegen
Musik umgebracht hat, allein der Vorwurf ist ein Witz und für die Beschuldigten setze ich mich ein. Andere schützen die Bäume, ich die Rocker! Und der Song ist ein Rocker - ein zweites 'School's Out'!"
VOLLIDIOTEN Alice betont immer wieder, daß er niemandem etwas vorschreiben will - selbst auf Tourneen erlaubt der ex-Alkoholiker
seiner Begleitband getränkemäßig alles, was Pupillen diesen gewissen 'Auge In Aspik'-Look verleiht - sondern
Jugendliche lediglich warnen möchte: ,,Ich sage niemandem, daß er keine Drogen nehmen soll. Die Leute sollen ihren
Spaß haben, sich aber nicht gleich umbringen! Wir haben uns in den siebziger Jahren alles 'reingeknaltt,von dem behauptet
wurde, daß es irgendwie antörnt, und was hatten wir davon? Wenn ich mir heute mein 'Welcome To My Nightmare'
-Video von 1975 anschaue, wälze ich mich am Boden vor Lachen über diesen besoffenen Vollidioten, der da durch die
Kulissen taumelt. Und die ganzen Drogentoten dieser Zeit - Jimi Hendrix, Jim Morrison, Janis Joplin, Keith Moon - ich
war mit ihnen allen gut befreundet, habe mif ihnen zusammen gesoffen, Pillen eingeworfen und Blut gekotzt. Gerade Keith
- was für eine Schande, daß sich dieser Pfundskerl so früh selbst hingerichtet hat! Ich könnte ihn jetzt noch dafür
ohrfeigen; warum ist er heute nicht mehr da und reißt seine Jokes? Welches Recht hatte er, sich einfach so zu verziehen?
Er ist ein Idiot, alle vier sind verdammte Idioten; und ich habe das Recht das zu sagen, denn ich habe sie alle vier gekannt! Man muß nicht unbedingt sterben, um eine Rocklegende zu sein."
AUSWURFSSTORIES Sein Leben nach der fünfzehnjährigen Non-Stop-Dröhnung (,,Ich hatte ein Minimum von zwei Flaschen
Whiskey pro Tag, dabei war ich nie wirklich besoffen oder habe herumgelallt - ich hielt einfach nur meinen Pegel...") hat
der offiziell dreiundvierzig, inoffiziell fünfundvierzigjährige völlig neu geordnet: ,,Ich glaube, dieser Planet ist eine so
spannende und interessante Sache, daß sich jeder darum bemühen sollte, so lange wie möglich so viel wie möglich von all
den Dingen, die hier abgehen, aufzunehmen. Ich war so dumm, einige Jahre dem Alkohol zu schenken. Heute kann ich
mich leider nur noch an wenige Sachen, die in dieser Zelt passierten, erinnern; wenn mich jemand nach einem bestimmten
Auftritt in den siebziger Jahren fragt, muß ich passen. Ich wußte damals meistens noch nicht einmal, in welchem Land ich mich auf Tour gerade aufhielt."
Und die Zeiten haben sich nicht nur für den Mann geändert, der heute die Cola Light-Büchsen gleich palettenweise killt: .
.Wenn wir heute so zusammensitzen, ob nun die ehemalige Trinkergarde der ersten Generation wie David Bowie, Lou Reed und Keith Richards, oder die neuen cleanen Jungs wie GUNS N'ROSES oder MÖTLEY CRÜE, dann kommen
garantiert wieder die alten Horrorstories auf den Tisch: 'Oh, ich hing damals drei Mal pro Tag über der Kloschüssel!'..
.'Bei mir kam hinterher nur noch Blut!'...'Das ist doch noch gar nichts; ich lag zwei Wochen im Koma auf der Intensivstation! ...mein Gott, hatten wir ein Glück, daß wir diese Dummheiten überlebt haben..!'
Wer Alice Cooper auf seinem 107 Dates umfassenden TRASH-Triumphzug erlebte, sah einen energiegeladenen
Performer, der sich eher die Rolle eines unbarmherzigen Tyrannen auferlegt hatte als die des ständig mißhandelten Losers
der feuchten Siebziger. ,,Ich verstehe gar nicht, was diese Leute meinen, die ständig von 'Tourstress' reden" schüttelt der
Graudegen dann auch verständnislos den Charakterkopf. ,,Du führst doch nur ein paar Gespräche mit Journalisten und machst abends zwei Stunden Aerobic! Wenn eine Tour zuende ist, bin ich fitter als vorher!"
KÜNDIGUNGSLUXUS Für seine Turnübungen wird der Gute demnächst genügend Zeit haben, denn schon im Juli donnert die 'Operation; Rock'
-Tour, bestehend aus dem Package Alice Cooper, Judas Priest, Metal Church, Dangerous Toys und Suicidal Tendencies durch fünfundzwanzig amerikanische Arenen. Danach steht Europa auf dem Cooper-Tourplan - wenn nicht in diesem
Package, dann mit Sicherheit allein. Nach einem geeigneten Bassisten für seine Tourband sucht Alice noch, das übrige
Line-up steht mit Drummer Eric Singer, Gitarrist und Keyboarder, die man noch vom letzten Konzerttrip kennt, sowie
Gitarrenneuzugang Stet Burns, der in der letzten Y&T-Besetzung spielte und hier den ausgeschiedenen Al Pitrelli ersetzt.
Bei Alice Cooper gibt Burns sein Sounddebüt bereits auf HEY STOOPID, dessen Musiker Line-up sich neben allen Promigästen wie gewohnt von der Bühnenband unterscheidet. Der Meister erläutert: ,,Im Studio spielt z.B. Mickey Curry
(u.a. Survivor und Bryan Adams, Anm-d.Red.) die Drums, und es sind diverse Bassisten zu hören. Ich habe sie ausgesucht, weil sie die besten Studiomusiker sind, die ich mir wünschen kann. Live werden andere Leute zu sehen sein.
Wenigstens bin ich so ehrliche das zuzugeben; die meisten Platten werden heutzutage doch eh' nicht mehr von den Leuten
eingespielt, deren Gesicht auf dem Cover zu sehen ist. Ich glaube nicht, daß die Musiker hinter Alice besonders
interessieren, denn live ist es schwer irgendwo anders hinzusehen, als zu ihm. Solange Alice da ist, seine Stimme und seine
Bühnenpräsenz, kann ich mir den Luxus leisten, meine Begleitband ständig zu ändern. Ich selbst ändere mich nicht. Alice bleibt immer Alice, und damit wird auch nicht 'rumexperimentiert!" Das ist ein Wort!
Peter Burtz.
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